Der Bootlegger


You really want to see him if you run out of booze on a Sunday

This man is a local celebrity in Savannah, Georgia: You really want to see him if you run out of booze on a Sunday

Das englische Wort Bootlegger beschreibt jemanden, der mit Waren handelt, mit denen er nicht handeln dürfte. So wie mein dicker Nachbar aus der Stadt Savannah, der hier anonym bleiben will. In der wahrscheinlich schönsten Stadt des Südens mit Villen im Kolonialstil und den Moos-bewachsenen Eichenalleen verkauft er seit 23 Jahren an Sonntagen Alkohol. Zwar darf man im Bundesstaat Georgia jede Waffe – von der abgesägten Schrotflinte bis hin zur Maschinenpistole – kaufen, wenn man einen Führerschein besitzt. Aber Saufen am Tag des Herrn ist illegal.

Weil viele in Georgia aber auch sonntags gerne trinken, hat der 59-Jährige ständig Besuch. In seinem kleinen Keller mit der versifftesten Couch der Welt, den Kakerlaken an der Wand und Malereien von Tigern und Bäumen, die er aus dem Koreakrieg mitgebracht hat, empfängt er seine Gäste. Im Doppelflügel-Kühlschrank hat er die heiße Ware gelagert: Dosenbier, Vodka und Absinth. Als Veteran der US-Armee hat er Zugang zum Duty Free Shop der nahen Army Base. Die Polizei, sagt er, weiß was er treibt. „Einmal haben sie mich eingesperrt, weil mich jemand angezeigt hat. Aber ich war nach einer halben Stunde wieder draußen. Die Polizisten vom Kommissariat kaufen ja selber bei mir ein.“

Im Viertel nennen sie ihn den Hausmeister, weil er penibel achtet, dass keine Bierdosen, Papierln oder sonstige Überbleibsel seiner Kundschaft in den Vorgärten liegen bleiben. Drogensüchtige vertreibt er, sobald sie sich in sein Gebiet vorwagen. Wir sitzen im Keller und diskutieren Politik. Wie so viele Afroamerikaner im Süden will er nicht an einen Erfolg Barack Obamas glauben. „Die USA sind nicht reif für einen schwarzen Präsidenten“, sagt er. Seine Wunschkandidatin wäre Hillary Clinton gewesen: „Sie nicht als Vize aufzustellen, war ein schwerer Fehler.“ Er selbst sei völlig ratlos. „McCain hat die nötige Erfahrung, aber er ist unberechenbar und könnte sofort den nächsten Krieg anzetteln.  Obama wiederum ist zu jung. Er braucht noch ein paar Jahre.“

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About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

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