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Glosse in Extra: Der Faun am Fluss

Mit der blauen Stunde näherte sich der Faun und gesellte sich zu uns. Spielte jedoch kein Lied auf Panflöte oder Schalmei. Und auch vom Grill-Fleisch nahm er keinen Bissen. Fragte bloß, ob alles in Ordnung sei, mahnte uns – wie immer -, die Natur zu achten, lächelte freundlich in die Runde und verschwand gleich wieder in die selbe Richtung, aus der er erst gekommen.

In der griechischen Mythologie ist der Faun (der dort Satyr heißt) eine Art Waldgeist im Gefolge des Dionysos. Ein Symbol der Natur, des Blühens und der Lebenslust: frei, ungezügelt, immer lüstern, Schlecker draußen den Nymphen hinterher. In unserer so produktiven, aber entmystifizierten Zeit ist derlei Tun allein zu wenig. Auch ein Faun muss arbeiten. Etwa als Dienstnehmer der MA 45 (Wiener Gewässer) in der Abteilung „SoKo Donauinsel“.

Sein Aussehen ist zeitgemäß: Er galoppiert nicht auf Bockfüßen dahin, ihm wachsen keine Reben aus den Ohren – wozu sollte das auch gut sein? Stattdessen fährt er Rad. Die Federn, die ihm aus dem Helm ragen – eine links, eine rechts von der Stirn – offenbaren seine magische Natur. Ebenso wie die zierliche Gestalt und in den Äuglein: das listige Funkeln.

Die Verortung seiner inselhaften Existenz ist natürlich kein Zufall. Überwindet doch das Freizeitareal ein Paradox auf fast schon magische Weise: Schafft Natur, wo eigentlich Stadt wäre. Gebiert einen Ort für alte Tugenden: für das Träumen, Tanzen und Tollen im Wasser – für das Hantieren mit Feuer und für die Zärtlichkeiten der Nacht. Mit der Insel realisierte die Stadtverwaltung in den 1980er-Jahren eine Idee, die inzwischen – Jahrzehnte später – in verschiedenen Städten der Welt Nachahmer findet. Zuletzt las ich von Nashville, Tennessee, wo aus der industrialisierten Uferzone ebenfalls ein wenig kommerzielles Erholungsgebiet entstand, wo man auch dort den Versuch startete, das Grün in die Stadt zu holen.

Wäre das Leben in Wien im Sommer ohne Insel möglich? Ich denke, nicht. Bis 11.30 Uhr geht es noch, da kann ich arbeiten. Auch Sport ist möglich. Danach jedoch legt sich die schwüle Hitze schwer um meine Glieder. Während der Ventilator seine Kreise dreht, lieg ich darunter, schwitzend. Das Blut gerinnt. Das Hirn: im Dämmerzustand. Phantastereien, Erinnerungsfetzen, Visionen verlorener Momente. Riefe mich in diesen Momenten keiner an – ich wäre wohl schon lange tot. Einfach langsam, immer langsamer geworden, um irgendwann ganz stehen zu bleiben wie eine alte Uhr, vergessen in der Schublade.

Der Ruf bringt alles durcheinander. Aus Lethargie ward Schwung. So glücklich, aufzustehen, rauszugehen. Als hätt’ mein Leben dieses Tages keinen anderen Sinn. Zehn Minuten auf dem Fahrrad, dann wird getaucht, getauft vom frischen Leben. Ein neuer Mensch werd ich an diesem Nachmittag.

Derweil, am Ufer sitzt der Faun, wackelt die Zehen im Nass. Er lächelt, und – zum Gruß – zieht er den Federhut.

Erschienen am 13. Juli 2012, in der Wochenendebeilage EXTRA der Wiener Zeitung

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Freitritt, der Radblog der Wiener Zeitung auf FM4

Der Radiosender FM4 widmete sein Pogramm am 30. April 2012 dem Fahrrad. Ein Beitrag drehte sich um das Radmanifest von Freitritt, dem Radblog der Wiener Zeitung und der IG-Fahrrad: Hier die Links zu den Artikeln: http://fm4.orf.at/stories/1697949/ und http://fm4.orf.at/radio/stories/1697959/

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Platz Da! Jetzt kommen wir Radfahrer!

Nie zuvor hatten Wiens Radfahrer mehr Fürsprecher, nie zuvor genossen sie mehr Sympathien in der Öffentlichkeit. Dennoch kommt ihnen nur ein Bruchteil des öffentlichen Raumes zu. Warum eigentlich? Artikel in der Wiener Zeitung

Critical Mass im März 2012. Foto: Walter Skokanitsch

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Wiener Zeitung startet Rad-Manifest

Critical Mass im März 2012. Foto: Walter Skokanitsch

Die “Wiener Zeitung” unterstützt die Fahrrad-Kampagne der britischen “Times” und deren Kampagne zur Erhöhung der Radverkehrsfreundlichkeit mit einem Manifest für ein radverkehrsfreundliches Österreich. Auch in Österreich und da vor allem in den städtischen Ballungszentren soll Fahrradfahren sicherer und angenehmer werden. Zusammen mit der Radlobby IG Fahrrad haben wir deshalb einen Entwurf zur Verbesserung der Radsicherheit in Österreich ausgearbeitet, den wir in den nächsten vier Wochen mit den FahrradfahrerInnen diskutieren wollen. Aus den Vorschlägen, Anregungen und Ideen erstellen wir eine endgültige Fassung des Manifests, das an die österreichischen Parlamentsparteien gehen wird. Damit wollen wir einen gemeinsamen Standpunkt zu den nötigen Verbesserungen für Österreichs AlltagsradfahrerInnen entwickeln.

Hier unterstützen und verbreiten!

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Freitritt – Der Wiener Zeitung Fahrrad-Blog

Ab sofort ist es soweit: Mein Fahrradblog “Freitritt” (Dank an Francesco Campagner für den großartigen Titel!) für die Webseite der Wiener Zeitung ist online. Für den Start haben wir uns gleich eine Menge vorgenommen. Inspiriert von der Rad-Sicherheits-Kampagne der britischen Times haben wir etwas ganz ähnliches für Österreich ausgetüftelt. Zusammen mit der Fahrradlobby IG-Fahrrad entwarfen wir ein Manifest, das wir in den nächsten Tagen im Netz (und auch außerhalb) diskutieren wollen. Und am Samstag wird es ein Porträt von Manfred Schindler geben, einem faszinierenden Mann, der trotz oder besser wegen seiner schweren Gehbehinderung in Wien mit dem Fahrrad unterwegs ist…Viel Vergnügen beim Lesen! Weiter strampeln!

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Das Buch von Matthias Bernold, Sandra Larriva: Revolution 3.0 Die neuen Rebellen und ihre digitalen Waffen

Was verbindet den grünen Tübinger Bürgermeister Boris Palmer, den Thurgauer Papierindustriellen Daniel Model und den Wiener Studenten und Online-Experten Luca Hammer mit der ägyptischen Online-Radiomacherin Aman El Tunsi, mit der isländischen Bürgerrechtsaktivistin Birgitta Jonsdottir oder mit Sogol Arthunis aus Teheran, die als Teil der Widerstandszelle “uprising” gegen das Mullah-Regime mobil macht?

Sie alle stehen – so unterschiedlich ihre Ziele auch sein mögen – für eine neue Form des politischen Protests. Eines Protests, der sich eines digitalen Waffenarsenals bedient, um zu mobilisieren, Meinungen zu bilden und etablierte Machtverhältnisse herauszufordern.

Ob sie nun wie Regimekritikerin Sarrah Abdelrahman dafür gekämpft haben, einen autoritären Staatschef aus dem Amt zu hieven; ob sie wie Palmer gegen ein Bahnhofsprojekt auf die Barrikaden gehen; ob sie wie Model aus Verdruss über Demokratie und Sozialstaat einen autonomen Staat ausrufen: Den neuen Rebellen stehen Instrumente zur Verfügung, um die sie die Aufständischen vergangener Tage beneidet hätten.

Digital vernetzt verbreiten sie ihre Vorstellungen, verabreden sich zu Protestmärschen oder gar zum bewaffneten Kampf. In Sekundenschnelle, dezentral und unter Umgehung staatlicher Zensur. Im politischen Spektrum befinden sich diese Rebellen mitunter links, mitunter rechts vom Mainstream. Mitunter ist es gar nicht leicht, sie in eine politische Schublade zu stecken.

Aber sind die neuen Gegenbewegungen wirklich erfolgreicher als ihre Vorgänger? Sind sie Ausdruck erstarkten Demokratiebewusstseins oder untergraben sie unsere demokratischen Fundamente? Nehmen sie dauerhaft Einfluss auf die Gesellschaft? Oder verpuffen sie so schnell wie sie gekommen sind? Und: Wie stellen sich die politischen Kasten ihren virtuellen Herausforderern entgegen?

CHF 34.-, Euro 19.-

ISBN 978-3-905795-13-4

Jänner 2012

http://www.amazon.de/Revolution-3-0-politischen-Rebellen-Waffen/dp/3905795132

schweiz

Wie seltsam wirtschaften Gemeinden? Kommunen langten bei Franken-Krediten kräftig zu


Just als der Kurs des Franken von Hoch zu Hoch eilte, vervielfachten die Gemeinden ihre Fremdwährungskredite. Warnungen wurden überhört, Experten sind irritiert.

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Finanzpolizist über illegale Spielautomaten: “Dem Staat entgehen sechs Millionen Euro im Monat”

Wilfried Lehner, der Chef der Finanzpolizei, der seit einem Jahr über die Einhaltung des Glücksspielgesetzes wacht, zieht eine zwiespältige Bilanz. Kaum eine Materie ist umstrittener.

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Interview mit Boris Palmer: Zeit des Neins

Im Nahen Osten protestieren die BürgerInnen gegen autoritäre Regime. In Stuttgart gegen ein gigantomanisches Bahnhofsprojekt. In Österreich gegen die Bildungspolitik. Woher kommt der Widerstandsgeist? Boris Palmer, Bürgermeister von Tübingen, und eine Stimme der BürgerInnenbewegung gegen Stuttgart 21, erklärt im Progress-Interview, wie das Internet aus duldsamen Duckmäusern rebellische WutbürgerInnen formt.

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Stresstest Kärnten: “Der Wörthersee zieht nicht mehr”

Schlechtes Zeugnis für das südlichste Bundesland: Beim verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte liegen die Kärntner ebenso an letzter Stelle wie bei der Entwicklung im Tourismus. Außerdem ist nirgendwo die Arbeitslosenquote höher. Allein die wieder erwachte Industrieproduktion erweckt zumindest Anzeichen der Hoffnung: Mit einem Plus von 13, 8 Prozent ließ sich hier Kärnten nur vom Burgenland abhängen.

Jüngst sorgte der Bau der Umfahrung von Bad St. Leonhard beim Landesrechnungshof für Kopfschütteln: Die rund vier Kilometer lange Straße kostete 56 Millionen €. Damit war die Straße-laut Rechnungshof -”eines der aufwändigsten aller seit der Übertragung der Bundesstraßen an das Land in Angriff genommenen Projekte”. Beim Spatenstich 2009 wurde die Frequenz mit 4000 Fahrzeugen pro Tag beziffert. Heute sind aber nur 16 Prozent des Verkehrs auf der neuen Umfahrung unterwegs -der Großteil rattert nach wie vor durch den Ort.

Zu teure Projekte

Überdimensioniert, teuer, ohne den gewünschten Lenkungseffekt: Es sind Projekte wie diese, die dazu beitragen, dass das südlichste Bundesland seinen Ruf als ökonomisches Schlusslicht Österreichs nicht loswird. Und jede Prüfung durch eine Kontrollinstanz fördert weitere Schwachstellen zutage: Sei es das Kärntner Stadion, die Hypo Alpe Adria oder -wie zuletzt -Intransparenz bei den Pflegetarifen oder die Säumigkeit bei der Angleichung des Pensionssystems für die Landesbeamten. Und bei der Familienförderung verteilt das Land überhaupt Steuergeld mit vollen Händen: So zahlt Kärnten pro Kind sechsmal so viel an direkten Förderungen wie Salzburg. Neugeborenengeld, Schulstartgeld, Jugendstartgeld und Müttergeld summieren sich in Kärnten auf jährlich 14, 83 Millionen € an direkten Geldleistungen.

Zum Vergleich: Salzburg wendet dafür lediglich 2, 4 Millionen € auf. Dabei zeitigt diese Politik, wie demografische Daten zeigen, kaum Erfolg. “Die Zahl der Kärntner stagniert”, sagt Wirtschaftsforscher Raimund Kurzmann von Joanneum Research in Graz, unter Verweis auf die aktuelle Bevölkerungsprojektion der Statistik Austria.

Politische Zuckerln

Blickt man auf die wirtschaftlichen Eckdaten des Landes, wird es verständlicher, warum die Landespolitiker den Bürgern gerne etwas zuschießen; So rangieren die 560. 000 Kärntner laut Statistik Austria nicht nur beim verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte mit 19. 000 €an letzter Stelle. Auch war hier die Arbeitslosenquote mit 9, 3 Prozent im Krisenjahr 2009 und 9, 1 Prozent im Vorjahr am höchsten.

Schuldenkaiser

Nur auf den ersten Blick vergleichsweise niedrig erscheint der Schuldenstand des Landes. Zu den offiziellen Landesschuldn von 1, 16 Milliarden € im Jahr 2009 (ein Plus von 17 Prozent gegenüber Ende 2008) kommen die ausgegliederten Schulden der Krankenhausgesellschaft KABEG, die mit 1, 8 Milliarden € beziffert werden (ein Plus von 800 Millionen € gegenüber 2008).

Positiv: Die im Krisenjahr 2009 verlorenen Warenexporte ins Ausland (minus 15 Prozent) können laut Schätzungen heuer ausgeglichen werden. Damit liegt die Entwicklung im Österreich-Schnitt. Die Industrieproduktion im Land steigerte sich um plus 13, 8 Prozent im Vorjahresvergleich der ersten drei Quartale: Das ist die zweithöchste Dynamik aller Bundesländer hinter dem Burgenland. Österreichweit lag der Zuwachs bei lediglich 6, 2 Prozent.

Tourismus-Probleme

Problematisch allerdings die Entwicklung im Tourismus: 2010 verzeichnete Kärnten bei den Nächtigungen einen Rückgang von 3, 7 Prozent. Das ist die schlechteste Entwicklung aller Bundesländer. Vor allem ausländische Gäste bleiben aus. “Den Kärntnern gelingt es offenbar nicht, für ihre Gäste die richtige Mischung zu finden”, vermutet Kurzmann: “Der Wörthersee zieht eben nicht immer.”

Aus der Serie Stresstest Bundesland für das Wirtschaftsblatt

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