Tag Archives: Bernold
iphone 1427

Creative Writing Seminar Ende September

zusammen mit rainer zoglauer, einem guten freund und improvisationstheaterspieler halte ich ende september (28. bis 30.9.2012) ein zweieinhalbtägiges “kreativ schreiben”-seminar. ziel dabei ist das erlernen und entwickeln von techniken zur freisetzung kreativer energien. außerdem wird’s lustig und wir essen ZEN-style! bitte an interessierte weiterleiten oder – noch besser – teilnehmen! mehr infos dazu auf dem flyer. Schnupperabend kommenden Dienstag im Hub Vienna (Dienstag, 4. September 2012, Lindengasse 56)Image

iphone 1588_ready

Das Sein und der Sinn

Glosse in Extra, der Wochenendbeilage der Wiener Zeitung

Das Deutsche kennt Wörter wie unsinnig, leichtsinnig, widersinnig und freisinnig. Aber es kennt kein Gegenstück zum Wort tiefsinnig. Dabei bräuchten wir eines, um die Gedanken zu beschreiben, die einem beim Radfahren durch den Kopf gehen.

Während die Beine ihr Kreiselspiel treiben und die Orte vorüber ziehen, entstehen Gedanken wie Wolkenbilder. Sie sind kurz da, nur um sich gleich wieder aufzulösen. Fragen oder Impulse sind sie. Fragmente. Bin ich durstig? Hungrig? Wie unerträglich schmerzt mein Hintern? Wo geht es weiter? Der Geruch einer feuchten Wiese, die in der Sonne dampft. Hunde, die den Fremden anzeigen. Ein Reh, das die Straße quert. Unheimlich: Die Kirche von Milesov (im böhmischen Mittelgebirge) hinter den beiden mächtigen Kastanienbäumen. Immer wieder: Euphorie, Ärger. „Warum stutzt keiner die Hecke vor dem Hinweisschild?“ „Weshalb überholt mich dieser Autofahrer so respektlos knapp?“ Keine Erörterung findet statt, keine Antworten werden gegeben. Kaum ein Gedanke, der nicht zur Gegenwart gehörte: Melodie einer Filmmusik. Auszug eines Gesprächs mit einem Freund. Erinnerung an eine Frau, die man liebte. Nichts bleibt lange haften. Alles zieht weiter.

Erst wenn das Etappenziel erreicht ist, das Quartier bezogen und der Magen gefüllt, bleibt Zeit für Reflexion. Außer der Schlaf trägt dich sogleich ins Andersland – auch das kommt vor.

Während ich dies schreibe, sitze ich in Teplice, dem Geburtsort meines Großvaters. Ich bin jetzt sechs Tage unterwegs und habe 600 Kilometer zurückgelegt. Am Vorplatz des Schlosses, der immer noch so aussieht wie vor hundert Jahren, stelle mir vor, wie der kleine Fritz und sein Zwillingsbruder auf dem Kopfsteinpflaster spielten. Dann denke ich wieder über das Denken nach.

Der eingangs beschrieben Zustand muss so etwas sein wie eine instinktive Überlebensstrategie aus einer Zeit, in der die Menschen Nomaden waren. Würde der Geist beim Umherziehen einmal dahin wandern und einmal dorthin, kämen wir nirgends unbeschadet an. Beim Erklimmen von Steigungen etwa, wäre Zerstreuung fehl am Platz. Da ziehe ich die Kappe tiefer ins Gesicht, senke den Blick Richtung Oberschenkel und konzentriere mich auf den Rhythmus der Kraft. Treten. Atmen. „Pumpen“, kommandiere ich dazu, „pumpen!“. Bis der Scheitelpunkt erreicht ist, schaue nicht mehr nach vorn.

In der Reise tauschen wir die Flüchtigkeit unserer Gedanken gegen die Flüchtigkeit unserer Verortung. Umherziehen bindet Gedankenkraft, die Überleben sichern muss und sich darin erschöpft. Erst jetzt, in Teplitz, scheint mir, lassen sich die Bilder und Eindrücke der vergangenen Tage ordnen. Morgen geht es dann weiter Richtung Dresden über Krupka und das Erzgebirge. Und wieder hinein in jenen eigentümlichen Sinneszustand, für den das Deutsche kein Wort kennt.

iphone 1567

Vortrag in Alpbach im August 2012

Ende August war ich auf Einladung von Forschung Austria beim Europäischen Forum Alpbach im Rahmen der Technologiegespräche (Arbeitskreis 13), um über mein Buch Revolution 3.0 zu sprechen und die Zukunft der Demokratie zu diskutieren. Es war mein erster Besuch in Alpbach und hat wirklich Spaß gemacht. Hier ein Link zum Bericht von Forschung Austria.

Im Garten der Villa des Literarischen Colloquiums

Lesung beim Sommerfest des Literarischen Colloquiums Berlin

Für die längste, mit Muskelkraft geschaffte Anreise gewährten mir die Gäste beim Sommerfest des Literarischen Colloquiums am Berliner Wannsee (18. August 2012) einen kräftigen Applaus. Überhaupt war die Lesung aus Revolution 3.0 eine feine Sache. Nach zehn Tagen auf der Fahrrad – eine ziemlich einsame Form der Reise – hatte sich mein Sprechbedürfnis massiv erhöht: Ideale Voraussetzungen also für Vortrag und Sozialisieren.

Im Garten der Villa des Literarischen Colloquiums

Verlegerin Yvonne-Denise Köchli vor dem Stand des Xanthippe-Verlages

Anne Headaway, eine der Gründerinnen der Rollergirls. Foto: Andreas Jakwerth

Reportage in der Wienerin: Wo die wilden Mädels wohnen

Starke Frauen, männliche Cheerleader und ein Hüftschwung, der umhaut: Roller Derby ist schnell, körperbetont und schweißtreibend. Dabei purzeln nicht nur die Gegenspielerinnen auf dem glatten Parkett: Sondern auch Geschlechterklischees werden gehörig durcheinander gewirbelt. Zu Besuch bei den Vienna Rollergirls.

Meine Reportage für die aktuelle Wienerin, mit Fotos von Andreas Jakwerth

Continue reading

Freitritt_Logo_Farbe

Freitritt, der Radblog der Wiener Zeitung auf FM4

Der Radiosender FM4 widmete sein Pogramm am 30. April 2012 dem Fahrrad. Ein Beitrag drehte sich um das Radmanifest von Freitritt, dem Radblog der Wiener Zeitung und der IG-Fahrrad: Hier die Links zu den Artikeln: http://fm4.orf.at/stories/1697949/ und http://fm4.orf.at/radio/stories/1697959/

IMG_9047

Platz Da! Jetzt kommen wir Radfahrer!

Nie zuvor hatten Wiens Radfahrer mehr Fürsprecher, nie zuvor genossen sie mehr Sympathien in der Öffentlichkeit. Dennoch kommt ihnen nur ein Bruchteil des öffentlichen Raumes zu. Warum eigentlich? Artikel in der Wiener Zeitung

Critical Mass im März 2012. Foto: Walter Skokanitsch

IMG_9141

Wiener Zeitung startet Rad-Manifest

Critical Mass im März 2012. Foto: Walter Skokanitsch

Die “Wiener Zeitung” unterstützt die Fahrrad-Kampagne der britischen “Times” und deren Kampagne zur Erhöhung der Radverkehrsfreundlichkeit mit einem Manifest für ein radverkehrsfreundliches Österreich. Auch in Österreich und da vor allem in den städtischen Ballungszentren soll Fahrradfahren sicherer und angenehmer werden. Zusammen mit der Radlobby IG Fahrrad haben wir deshalb einen Entwurf zur Verbesserung der Radsicherheit in Österreich ausgearbeitet, den wir in den nächsten vier Wochen mit den FahrradfahrerInnen diskutieren wollen. Aus den Vorschlägen, Anregungen und Ideen erstellen wir eine endgültige Fassung des Manifests, das an die österreichischen Parlamentsparteien gehen wird. Damit wollen wir einen gemeinsamen Standpunkt zu den nötigen Verbesserungen für Österreichs AlltagsradfahrerInnen entwickeln.

Hier unterstützen und verbreiten!

Bernold_Revolution_cover_Layout 1

Das Buch von Matthias Bernold, Sandra Larriva: Revolution 3.0 Die neuen Rebellen und ihre digitalen Waffen

Was verbindet den grünen Tübinger Bürgermeister Boris Palmer, den Thurgauer Papierindustriellen Daniel Model und den Wiener Studenten und Online-Experten Luca Hammer mit der ägyptischen Online-Radiomacherin Aman El Tunsi, mit der isländischen Bürgerrechtsaktivistin Birgitta Jonsdottir oder mit Sogol Arthunis aus Teheran, die als Teil der Widerstandszelle “uprising” gegen das Mullah-Regime mobil macht?

Sie alle stehen – so unterschiedlich ihre Ziele auch sein mögen – für eine neue Form des politischen Protests. Eines Protests, der sich eines digitalen Waffenarsenals bedient, um zu mobilisieren, Meinungen zu bilden und etablierte Machtverhältnisse herauszufordern.

Ob sie nun wie Regimekritikerin Sarrah Abdelrahman dafür gekämpft haben, einen autoritären Staatschef aus dem Amt zu hieven; ob sie wie Palmer gegen ein Bahnhofsprojekt auf die Barrikaden gehen; ob sie wie Model aus Verdruss über Demokratie und Sozialstaat einen autonomen Staat ausrufen: Den neuen Rebellen stehen Instrumente zur Verfügung, um die sie die Aufständischen vergangener Tage beneidet hätten.

Digital vernetzt verbreiten sie ihre Vorstellungen, verabreden sich zu Protestmärschen oder gar zum bewaffneten Kampf. In Sekundenschnelle, dezentral und unter Umgehung staatlicher Zensur. Im politischen Spektrum befinden sich diese Rebellen mitunter links, mitunter rechts vom Mainstream. Mitunter ist es gar nicht leicht, sie in eine politische Schublade zu stecken.

Aber sind die neuen Gegenbewegungen wirklich erfolgreicher als ihre Vorgänger? Sind sie Ausdruck erstarkten Demokratiebewusstseins oder untergraben sie unsere demokratischen Fundamente? Nehmen sie dauerhaft Einfluss auf die Gesellschaft? Oder verpuffen sie so schnell wie sie gekommen sind? Und: Wie stellen sich die politischen Kasten ihren virtuellen Herausforderern entgegen?

CHF 34.-, Euro 19.-

ISBN 978-3-905795-13-4

Jänner 2012

http://www.amazon.de/Revolution-3-0-politischen-Rebellen-Waffen/dp/3905795132

Schäfchen zu Schäfern

Missbrauchsfälle, Kirchenkrise, Papstbrief. Auch Menschen im Priesterseminar erfahren dieser Tage Ungemach

Der Tag beginnt mit Gott. Danach erst gibt es Frühstück. Schon kurz vor sieben Uhr sammelt sich ein Dutzend Männer in der „Santa Maria de Mercede“-Kirche schräg vis-à-vis der amerikanischen Botschaft. Unter einer prunkvollen Stuckdecke liest der Priester aus dem Johannes-Evangelium. Auf Fürbitten folgt die Eucharistie. Kurz nach halb acht segnet er die Gläubigen und entlässt sie in Frieden, um hernach den Ministranten durch ein Holztürchen neben dem Altar zu folgen. Auch die übrigen Anwesenden schlüpfen – ein paar Momente der Besinnung später – durch diesen schmalen Gang. Einer nimmt das Gebetsbuch mit. Ein zweiter Kelch und Patene. Der Letzte löscht die Kerzen und sperrt die kleine Türe zu.

Misstöne stören die Harmonie

Die frühmorgendliche Messe ist Teil des Ausbildungsprogramms, das aus Schäfchen Schäfer machen soll und aus Ökonomen, Psychologen, Journalisten und Amtsdirektoren Prediger. Dem Ruf Gottes sind sie in die Wiener Boltzmanngasse gefolgt. Allein: Zurzeit überlagern schrille Misstöne die göttliche Harmonie.

Seitdem in Irland, Deutschland und Österreich immer mehr Fälle von Missbrauch und Gewalt durch Geistliche bekannt werden, seitdem sich Kirchenaustritte häufen und Facebook-Seiten gegen katholische Kinderschänder wettern. Seit selbst der Papst verdächtigt wird, als Präfekt der Glaubenskongregation Missbrauch gedeckt zu haben, und sich am Wochenende genötigt sah, einen Hirtenbrief zu den ungustiösen Übergriffen zu verfassen, herrscht Irritation unter den werdenden Priestern. Der gewohnte Ablauf aus Beten, Arbeiten und Studieren ist durcheinandergeraten. „Machen wir uns nichts vor“, fasst ein Wiener Seminarist die vergangenen Wochen zusammen, „es ist eine Scheißsituation.“

„Sie schauen uns komisch an“

Wie sich die Stimmung in den vergangenen Tagen gegen Vertreter der katholischen Kirche wendete, hat Richard Tatzreiter, der Subregens des Wiener Priesterseminars, persönlich erlebt. Er spricht von einem Generalverdacht, der sich „wie ein schwarzer Mantel“ über die Geistlichen gelegt habe: „Viele schauen uns auf der Straße komisch an, wenn wir als Priester erkenntlich sind“, sagt er, „erst vor zwei Tagen hat man mich angerempelt und beschimpft, als ich auf die Straßenbahn gewartet habe.“

Tatzreiter, der auch am Morgen die Messe leitete, hat im obersten Stock des Priesterseminars seine Unterkunft, „auf der Alm“, wie das hausintern heißt. Seit fast 100 Jahren ist das Haus mit den langen, hellen Gängen und den vielen Zimmern mit ihren grün getünchten Kassettentüren Ausbildungsstätte und Wohnsitz.

Tagsüber sind die angehenden Priester draußen, studieren Theologie, nehmen Unterricht in Stimmbildung, arbeiten als Religionslehrer oder in Pfarren. Am Abend trifft man sich im Kreis der Kollegen, studiert in der Bibliothek und nimmt gemeinsam die Mahlzeiten ein. Den Werdegang von Subregens Tatzreiter, der bereits als 18-Jähriger ins Priesterseminar eintrat, darf man nach heutigen Maßstäben getrost als untypisch bezeichnen. Während der Subregens früh um seine Bestimmung wusste, ereilte die meisten der heutigen Aspiranten der göttliche Ruf erst Jahre später.

„Es ist ein Prozess“, erklärt etwa der 36-jährige Thomas Marosch, „irgendwann deuten so viele Dinge in diese Richtung, dass es der einzig logische Weg ist.“ Wenngleich in einem katholischen Milieu groß geworden, erlernt die Mehrheit der Seminaristen zunächst einen weltlichen Beruf, einige heiraten sogar, bis sie eines Tages ein „Gotteserlebnis“ haben oder bis sich der Wunsch, ihr Leben Gott zu weihen, nicht mehr unterdrücken lässt.

Spätberufen ins Priesteramt

Einer jener Spätberufenen ist auch Wolfgang Kimmel. In der „Bar“ im Erdgeschoß, die ganz im Stil der 70er-Jahre eingerichtet und deren Spirituosenkühlschrank mit einem Vorhängeschloss gesichert ist, sitzt er neben seinem grauen Windhund Pimperl auf der braunen Ledercouch. Mit seinen 41 Jahren hat Kimmel schon einiges erlebt: Nach der Matura verbrachte er sechs Jahre als Mönch in Stift Göttweig. Um Theologie zu studieren, verließ er das Benediktinerkloster. Und wandte sich danach profaneren Geschäften zu: profil-Innenpolitikredakteur, parlamentarischer Mitarbeiter des Liberalen Forums und schließlich Konzernsprecher waren Zwischenstationen, bis er – wenn alles nach Plan verläuft – im Juni die Priestersoutane überstreifen wird.

Wie die meisten im Seminar sieht Kimmel sexuellen Missbrauch von Jugendlichen weniger als Problem der katholischen Kirche denn als Problem geschlossener Systeme. „In Familien, die sich hermetisch abschließen, in schulischen Einrichtungen, speziell, wenn ein verqueres Elitedenken dazukommt“, erklärt er, „speziell in Männergesellschaften und Männerbünden besteht immer die Gefahr von sadistischen und pädophilen Tendenzen.“

Das typisch Katholische an den Fällen, die jetzt bekannt werden, sagt er, sei auch die verkorkste Sexualmoral des 19. Jahrhunderts, die bis heute nachwirke. Sowie das Unter-den-Teppich-Kehren durch Bischöfe in der Vergangenheit: „Ich halte es“, sagt Kimmel, „für unentschuldbar, dass man pädophile Priester von einer Pfarre in die nächste verschoben hat.“

Seit dem Skandal um Kardinal Hans Hermann Groër, der Mitte der 1990er-Jahre Österreich schockierte, habe sich in Österreich allerdings Erhebliches getan.

Tatsächlich wurde die Priesterausbildung seit der Jahrtausendwende umfassend erneuert. „Wir versuchen, die Sexualität unserer Seminaristen und ihre biografischen und geistigen Wurzeln zu durchleuchten“, erklärt Nikolaus Krasa, der Regens des Priesterseminars, „um festzustellen, ob einer verklemmt ist oder frei, offen oder verschlossen.“ In vorbereitenden Gesprächen, durch ständige Supervision, mit Hilfe von Psychologen und im Zusammenleben versuche man zu verhindern, dass „seltsame Typen“ die Priesterweihe erlangen.

Eine der wichtigsten Veränderungen war die Einführung des sogenannten Propädeutikums vor acht Jahren: ein einjähriger Intensivlehrgang im niederösterreichischen Städtchen Horn. „Es geht dabei um eine ganzheitliche Einführung in den Lebensstil des Priesters“, erklärt Spiritual Harald Mally, der in Horn Seminaristen sozusagen als Vertrauenslehrer betreut. Sexuelle Gefühle – weiß Mally – gehörten zum Menschsein dazu: „Es kann sein, dass man an gewissen Idealvorstellungen scheitert. Manchmal hat vielleicht einer in einem Punkt eine Schwäche, oder es passiert ihm öfters Masturbation. Dann soll man nicht so tun, als ob das die schwerste Sünde wäre. Es gibt Schlimmeres.“

Zölibat ist auch Befreiuung

Während der Zölibat von vielen außerhalb der Kirche als eine Wurzel des Übels gesehen wird, verneinen viele im Seminar einen Zusammenhang des priesterlichen Keuschheitsgebots mit den sexuellen Irrungen, die zum Missbrauch Minderjähriger führen. „Zölibat ist Verzicht, keine Frage“, wehrt sich Seminarist Kimmel, „aber es ist nicht so, wie alle glauben, dass mir Sexualität dauernd im Kopf sitzt und aus jeder Pore dringt.“ Zölibat sei vergleichbar mit einer monogamen Beziehung: „Es ist eine Befreiung: Man ist nicht mehr getrieben auf der Suche nach Liebe, Partys oder Konsum.“

Auch Regens Krasa warnt vor Kurzschlussargumentation „nach dem Muster: Missbrauch ist gleich ein Problem der Priester ist gleich ein Problem des Zölibats.“ Die mediale Berichterstattung sei von Stereotypen und Klischees geprägt. „Wir bedauern jedes Opfer zutiefst“, sagt Krasa, „aber man muss die Wahrheit sagen: Es gibt kein Ausbildungssystem, das 100-prozentig garantieren kann, dass kein Pädophiler dabei ist. Weder in der Kirche noch sonstwo.“

Mit Spannung beobachten die jungen Priesteramtsanwärter, wie sich der Papst angesichts der Krise verhält. Dass sich allzu schnell etwas ändert, glauben sie nicht. Eines ist sicher: Auch morgen Früh werden sie nach althergebrachtem Ritus ihre Eucharistie begehen. Allen Dissonanzen zum Trotz.

“Falter” Nr. 12/10 vom 24.03.2010 Seite: 14 Ressort: Politik

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.