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Hoffen auf frühe Vögel

Polling station at Duke University, Durham, NC

Polling station at Duke University, Durham, NC

Durham, North Carolina. Anju ist aufgeregt. Die Studentin an der Duke Universität in North Carolina hat gerade zum ersten Mal in ihrem Leben bei einer Präsidentschaftswahl gewählt. „Es geht sich knapp aus für mich”, sagt sie, „am 2. November ist mein 18. Geburtstag”.

Dass Anju – ihre Eltern emigrierten in den 90er-Jahren aus Indien in die USA – zwei Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin wählen kann, verdankt sie dem so genannten Early Voting. Je nach Ausgestaltung der diversen bundesstaatlichen Wahlgesetze haben seit Ende vergangener Woche bestimmte Wahllokale in North Carolina und in 30 weiteren US-Staaten geöffnet. Rund ein Drittel der Wähler in den USA hat die Möglichkeit, vor dem 4. November die Stimme abzugeben. Das sind 20 Prozent mehr als bei den Wahlen 2004. Vor allem die Kampagne von Barack Obama hat das frühzeitige Wählen massiv gefördert. Die Demokraten hoffen, damit einerseits mehr Wähler zu mobilisieren und andererseits von ihrem derzeitigen Hoch in den Umfragen zu profitieren.

Landon Harward

„Es ist sehr angenehm für die Leute”, sagt Landon Harward, ein pensionierter Software-Spezialist, der das Wahllokal an der Duke Universität leitet, „sie sparen sich das Schlange stehen am 4. November, und sie können wählen, selbst wenn sie die Registrierungsfrist versäumt haben”.

Das Lokal an der Duke Universität ist ein so genannter One-Stop-Shop. Registrieren und Wählen finden am selben Ort zum selben Zeitpunkt statt. Die Wähler bringen einen Ausweis, um zu belegen, dass sie im entsprechenden Wahlsprengel wohnen. Am Stimmzettel stehen nicht nur die Präsidentschaftskandidaten, sondern auch Kandidaten für Positionen auf bundesstaatlicher Ebene. In manchen Staaten gibt es außerdem Plebiszite. Wie etwa in Kalifornien, wo über ein Verbot der Homo-Ehe abgestimmt wird.

Nachdem der Wähler den Zettel ausgefüllt hat, steckt er ihn in eine Maschine, die aussieht wie ein Kopierer. Oben hat das Gerät ein Display, das zeigt, wie viele Leute bereits gewählt haben. Jede weitere Information bleibt bis zum Wahltag verborgen. „Wenn am Samstag in einer Woche die Frist für das Early Voting endet”, erklärt Harward, „werden die Maschinen abmontiert und zur Wahlbehörde gebracht”.

Die Demokraten um Barack Obama haben das vorzeitige Wählen massiv gefördert. Der hohe Grad der Mobilisierung gilt auch als einer der Gründe dafür, dass Obama auch in einigen traditionell republikanisch gesinnten Staaten wie etwa North Carolina in den Umfragen vorne liegt. Es ist begreiflich, dass die Republikaner alles daran setzen, die Wahlbeteiligung von traditionell demokratisch gesinnten Wählerschichten einzudämmen. Vor diesem Hintergrund ist auch die Thematisierung von Unregelmäßigkeiten bei der Wähler-Registrierung durch das Unternehmen Acorn zu sehen. Inwieweit diese Unregelmäßigkeiten das tatsächliche Wahlergebnis verfälschen könnten, ist umstritten. Der Chef des Wahllokals an der Duke Universität sieht kein Problem. „Es ein Betrug, den die Angestellten von Acorn gegenüber Acorn begangen haben”, sagt er, „weil sie nach der Zahl der registrierten Personen bezahlt wurden”. Die Wahlbehörde überprüfe die Personen auf den Listen, vergleiche Sozialversicherungsnummern und Wohnadressen. „Kommt es da zu Ungereimtheiten, werden die Personen aus dem Wählerregister gestrichen”.

Im Jahr 1994 lag die Wahlbeteiligung bei rund 60 Prozent. Ein – verglichen mit anderen westlichen Staaten – sehr niedriger Wert. Laut einer Studie des „Pew’s Center in the States”, einer in Washington angesiedelten NGO, die die Effizienz von Wahlen analysiert, wählen in den USA am ehesten Weiße, besser Verdienende, Ältere und Gebildete. „Wer hingegen jung ist, farbig, ungebildet und öfter seinen Wohnort wechselt, wählt – statistisch gesehen – seltener”, heißt es in einem Bericht des Instituts.

Konsequenter Weise setzt Obama in seiner Kampagne auf die Aktivierung der Jungen und der Erstwähler. Auf Leute wie die Studenten Anju oder Chris, der aus Rhode Island stammt. „Ich sehe es als moralische Verpflichtung”, sagt der Geschichte/Wirtschaftsstudent, „jeder sollte wählen gehen. Es ist gut, dass es den Leute erleichtert wird”. Chris ist eingetragner Republikaner: „Aber jetzt ist einfach der Zeitpunkt, etwas neues auszuprobieren”.


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