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Wurzelbachers Nacht

Joe Wurzelbacher / AP Photo by Madalyn Ruggiero

Joe Wurzelbacher / AP Photo by Madalyn Ruggiero

Wer glaubt, die letzte Debatte der Präsidentschaftskandidaten hätte die Leute in New Orleans vor die Fernseher gefesselt, irrt. Zumindest im French Quarter gab man einen Dreck auf die Argumente von John McCain und Barack Obama. Dass man dabei den denkwürdigen Auftritt von Joe, dem Klempner verpassen würde, konnte ja keiner ahnen.

Bis knapp vor Debattenbeginn hastete ich durch die Gassen rund um die Bourbon Street, auf der Suche nach einer Stätte, die die Konfrontation übertrug. Zwecklos. Kein Café und kein Pub, kein Cajun Restaurant und keine Jazz-Bar – nicht einmal der Hustler Club hatten auf einen Nachrichtensender geschalten. Stattdessen liefen – wie immer – Sportübertragungen, und die Tänzerinen wackelten mit ihren halbnackten Hintern. Was blieb mir anderes, als zurück zu gehen, um der Debatte in der Hotel-eigenen Voodoo Bar zu folgen? Auf Begeisterung stieß die Übertragung auch dort nicht. Ein Angetrunkener verließ die Bar mit den Worten „they are both full of shit”.

Diese Debatte, meine ich, hatte McCain übrigens weit besser im Griff als die letzte, in der er so indisponiert auf der Bühne umherirrte. Statt – wie zuvor – verkrampft ins Leere zu starren, wenn sein Gegner sprach, bemühte er sich zu lächeln. Auch brachte er die beiden Vorwürfe, die in den letzen Tagen die Kampagne der Republikaner dominierten: Obamas Bekanntschaft mit Bill Ayers und die Schwindeleien von ACORN bei der Wählerregistrierung.

Über allem schwebt jedoch der Kunstgriff mit dem Installateur.

McCain zitierte einen Mann, der Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung vor ein paar Tagen für seine Steuerpolitik kritisiert hatte. (Die Associated Press identifizierte ihn später als Joe Wurzelbacher.) In der Folge richteten beide Kandidaten Argumente mehrfach direkt an den Installateur.

Der Beweis ist damit erbracht, dass sich beide für den Mittelstand einsetzen: Selbst in Zeiten der Finanzkrise braucht sich Wurzelbacher nämlich keine Sorgen um seine Zukunft zu machen. Er hatte Publicity genug.


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