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Messe nur auf Einladung

Ein Faszinosum in den USA ist die Präsenz von Religion im Alltag. Sich als religiöser Mensch zu stilisieren, ist gerade für wahlkämpfende Politiker unerlässlich. Glaube eint die Amerikaner, und er trennt sie. Denn die Formen der Religiosität könnten unterschiedlicher nicht sein. Allein unter den Christen reicht die Palette von liberalen evangelischen Pfarren mit offen bekennenden schwulen Predigern, über militante Gospelkirchen bis hin zu lateinamerikanischen Kongregationen mit obsessiver Marienverehrung. Ein besonderer Fall ist die polygamistische Sekte der Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter Day Saints . Wegen Unzucht mit Minderjährigen sitzt ihr Führer Jeff Warren derzeit in Haft.

Ein Standort der FLDS ist Colorado City, Arizona. Am Sonntag wollten wir dort die Messe besuchen. Die 4.500-Einwohner-Gemeinde liegt in der für ihre roten Felsen berühmten Landschaft nördlich des Grand Canyon. Häuser für Großfamilien gibt es hier. Und hohe, blickdichte Zäune. Eine Frau im blauen Kleid fragen wir nach dem Weg zur Kirche. Die findet das offenbar komisch und beginnt zu lachen.

Vor dem Tempel, der mehr nach Interspar aussieht als nach Sakralbau, parken Hunderte Mini-Vans und übergroße SUVs. Frauen in pastelligen Kleidern und Männer in dunklen Anzügen stehen vor dem Eingang Schlange. Die Zahl der Kinder gibt der letzten Volkszählung Recht, wonach mehr als 60 Prozent der Einwohner unter 18 Jahre alt sind.

Alle Augen sind auf mich gerichtet. Als ich mich dann als Reporter vorstelle und frage, ob ich an der Messe teilnehmen könne, führt mich ein Mann vom Eingang weg. Nur wer eingeladen sei, sagt er, dürfe hinein. Es sei dies ein ungünstiger Zeitpunkt, weil man ein Begräbnis habe. Als ich frage, ob ich ein anderes Mal kommen könne, weicht er aus. Er sei nicht befugt, diese Entscheidung zu treffen. „Ich kann Ihnen nicht weiterhelfen. Schauen Sie sich unsere Webseite an. Da werden Sie alle Informationen finden, die Sie brauchen.“

Until The Last Prayer

One Sunday only three of them had come. There was no pastor preaching. There was no gospel music playing, no choir singing. Nobody stood up clapping hands or playing the tambourine. They just sat on their worn, pink plush seats in empty rows, reading the yellowed bible-study books. Because it was cold in the prayer hall, they wore their overcoats. Robert Scott, who used to dress up in fancy clothes for the Mass, wore a casual, woolen sweater. He looked tired. In his voice lay resignation.

For over half a century the New Mount Zion Pentecostal Holiness Church of America has been an integral part of the East Tremont section of The Bronx. Like a ship it plunged through the swirls and waves of life. For fifty years it carried its congregation safely through the hardships of a troubled neighborhood. It passed through the fires of the Sixties and Seventies. It navigated through unemployment, poverty, street gangs and crime. But now, it seems, God had finally withdrawn his blessing and abandoned the faithful. Mount Zion was never rich, but now it had slipped into serious financial trouble; the old members of the congregation faded away; new members were not in sight. Is this how churches die?

Read more of my Columbia Master’s Project: bernold_until the last prayer.doc

Thanks to Todd Gitlin, my professor, and Hans Gruber, my uncle, who did the copy editing!

Zuletzt erschienen

  • “Jesus schafft alles!”: Priesterin Florene Reed ist 92 Jahre alt und zelebriert trotz ihres hohen Alters jeden Sonntag die Messe in einer kleinen Kirche in der New Yorker Bronx. Reportage in der Wiener Zeitung
  • Heimspiel in Harlem: Obamas Auftritt im Apollo Theater, in der Wiener Zeitung am 4. Dezember 2007

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