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Keine zarte Blüte

„Sie ist Mutter, hat eine schwangere Tochter, sie ist Unternehmerin, Politikerin. Sie bringt alles unter einen Hut“, meint Margret Bice. „Sie ist einfach die perfekte Repräsentantin für die amerikanische Frau. Das hat sie heute bewiesen“, meint Danielle Chavez. Die Teenager sind begeistert von Sarah Palin, die sich gerade dem Streitgespräch mit ihrem Demokratischen Widersacher Joe Biden gestellt hat. Zusammen mit ihren Freunden vom Republikanischen Klub der Hanna Highschool und etwa 300 wesentlich älteren Parteigängern haben sich Margret und Danielle die TV-Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten auf einer Video Wall im Rancho Viejo Ressort & Country Club in Brownsville, Texas, angesehen. „Sie ist keine zarte Blüte gewesen, die sich einfach pflücken lässt“, sagt Margret.

Der Festsaal des Golfhotels ist mit Fahnen, weiß-rot-blauen Bändern und Luftballons verziert. Seit sechs Uhr am Abend hielten hier Politiker Ansprachen während die Gäste dem Buffet zusprachen. Die Grenzstadt Brownsville ist kein leichtes Terrain für die Republikaner. Seit Jahren wählt die mehrheitlich hispanische Bevölkerung Demokratisch. Aber nicht mehr lange, hoffen zumindest die jungen Republikaner, die an der Schule Plakate basteln und für McCain volontieren.

„Wir wollen die Aura Obamas brechen“, sagt Adrian Treviso, „viele beten nach, was ihre Eltern sagen“. Er und sein Bruder Fernando haben sich selbst erst kürzlich von den Ansichten ihrer Eltern gelöst. Solange Hillary Clinton im Rennen war, standen sie auf Seiten der Demokraten. „Mein Vater denkt, ich sei ein Verräter“, scherzt Adrian. Der Auslöser für sein Umdenken sei die Ankündigung Obamas gewesen, jeden krankenversichern zu wollen. „Ich bin dagegen, weil das nur mit Steuererhöhungen ginge.“

Bei Abtreibung und Umweltschutz sind nicht alle Schüler auf Linie der strengen Rechtsauslegerin aus Alaska. Dass schmälert jedoch nicht die gute Laune. „Palin hat es besser gemacht als erwartet“, sagt Danielle, „ich liebe sie!“

Der Ökologiator

„Ich habe ihn Anfangs unterstützt und liebe seine Filme“, sagt Craig DeLuc, ein republikanischer Lokalpolitiker aus Sacramento, „aber inzwischen hat er sich so oft gedreht, dass er unglaubwürdig wurde“. Arnold Schwarzenegger – um den geht es nämlich – hat nach Ansicht von DeLuc ein Problem: „Er will um jeden Preis geliebt werden. Als Schauspieler hasst er es, unpopulär zu sein.”

Nicht nur DeLuc ärgert sich über die steirische Eiche. Viele Republikaner haben mit ihm wenig Freude, seit er unter Druck Demokratischer Mehrheiten in Kaliforniens Senat und Repräsentantenhaus nach links rückte. Zum Konvent der Republikaner in St. Paul kam Schwarzenegger gar nicht – obwohl er ursprünglich als Redner angekündigt war. Laut offizieller Stellungnahme, weil die zähen Budgetverhandlungen keine Absenz des Gouverneurs zuließen.

Während ihn die einen schelten, loben ihn die anderen. Das „Time“-Magazin rühmte ihn zuletzt als einen von zehn „Helden der Umwelt“. Im September 2006 unterzeichnete er ein Gesetz, dass die Industrie bei der Emission von Treibhausgasen beschränkt. Teil eines Planes, der Kalifornien bis 2020 auf den Stand von 1990 bringen soll. Gegen den Widerstand von George W. Bush schloss Schwarzenegger mit Kanada, Mexiko und den UN ein Abkommen zur Reduktion der Treibhausgase und zur Förderung sauberer Technologien. Natürlich trifft dies in Kalifornien auf besonders fruchtbaren Boden. Nirgendwo sonst ist man für Gesundes und Umweltfreundliches empfänglicher. Von Fahrradwegen, über Biogemüse bis hin zu Solarenergie.

Dabei war Schwarzenegger kein Ökofuzzi von Stunde Null. Immerhin leitete er den Trend zu den Hummer SUVs ein. Jenen monströsen Jeeps, die bis zu 30 Liter Benin auf 100 Kilometer verbrauchen und die aufgrund der hohen Benzinpreise letzthin aus der Mode gerieten. Schwarzenegger demonstriert auch hier Ökobewusstsein (in amerikanischer Auslegung): Reduzierte seinen Fuhrpark angeblich von neun auf fünf Hummers und ließ eines der Fahrzeuge auf Biodiesel umbauen.

Protesters in St. Paul and how they get arrested

Minneapolis

Beim Konvent der Demokraten in Denver hatte es die Polizei leicht. Das Gelände rund um die Pepsi Hall lag außerhalb des Stadtkerns. War großflächig umzäunt und stark bewacht. Beim Konvent der Republikaner in St. Paul, der Hauptstadt Minnesotas, ist es schwieriger: Das Xcel Energy Center liegt im Zentrum. Hermetisch abriegeln geht nicht. Als der Friedensmarsch vom Kapitol zur Veranstaltungshalle zieht, ist das Polizeiaufgebot ähnlich massiv wie in Denver: Mit Helm, Plastikpanzer und Holzknüppel Bewehrte bauen sich vor den Demonstranten auf.

Der Umzug selbst verläuft friedlich, aber außerhalb der Demonstrationsroute geht es gewalttätig zu: Laut Bericht der Zeitung /„Politico“/ attackieren Vermummte zwei Delegationen Republikaner auf dem Weg zum Konvent. Die Politiker werden bespuckt und mit Bleichmittel bespritzt. Autoscheiben bersten. Ein paar Stunden später erlebte ich, wie vis-à-vis vom Rice Park ein junger Mann mit langem rotem Bart von der Polizei festgenommen und gefilzt wird. Während er mit am Rücken gefesselten Armen auf dem Boden kniet, durchforsten die Polizisten seine Habseligkeiten. „Sie müssen nach ihm gesucht haben”, erklärt die Verkäuferin von Heimie’s Haberdashery, einem Modehaus am Eck, „als sie ihn gesehen haben, wurde er gepackt und gegen die Wand geschleudert.” Der Mann wird mehr als eine Stunde lang beamtshandelt. Mit anderen Fotografen stehe ich zwei Meter entfernt (Fotos auf http://www.derbernold.com). Der Einsatzleiter hält uns die Baseballkappe des Bärtigen entgegen. “Macht ein Foto!” sagt er. Die Innenseite der Mütze ist mit Hartplastik ausgekleidet: Ein getarnter Helm. Außerdem trägt der Bärtige zwei paar weite Hosen und darunter Knieschützer. Er war gerüstet für eine Auseinandersetzung.

Dennoch macht mich stutzig, dass die Amtshandlung in der Öffentlichkeit und auf so erniedrigende Weise erfolgt. Als ich den Einsatzleiter frage, warum sie den Mann nicht einfach aufs Kommissariat mitnehmen, erklärt er mir. „Weil wir jetzt eben hier sind.”


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