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The Obama Car

Holly Schultz and Kyle Johnson turned this car into an Obama Art Car

Holly Schultz and Kyle Johnson from Austin, Texas, turned this car into an Obama Art Car

Im industriellen Hinterhof

Im Ort Matamoros an der texanisch-mexikanischen Grenze beginnt der industrielle Hinterhof der USA mit seinen Fabriken, den so genannten Maquilas. Begünstigt von Zollfreiabkommen und später von der Nordatlantischen Freihandelszone (NAFTA) besorgen US-amerikanische und einige internationale Unternehmen hier die Endfertigung von Autoteilen, Kleidung und Elektronikartikeln für den Export in die USA. Die Unternehmen nutzen das niedrige Lohnniveau in der Region. Im Grenzgebiet gibt es mehr als 3.000 solcher Produktionsstätten mit rund einer Million Beschäftigten. Ein gewaltiger Wirtschaftsmotor, verantwortlich für die Hälfte aller mexikanischen Exporte. Auch ein Magnet für Migranten aus dem Süden Mexikos und Einwanderer aus Zentral- und Südamerika.

Raphaela Castro fährt mich im Auto durch den Industriepark von Masamoros. Sie arbeitet für die Organisation De Communitades Maristas, eine christliche Vereinigung, die sich für bessere Arbeitsbedingungen und Umweltschutz einsetzt. Die Unternehmen kritisiert sie heftig für deren Lohnpolitik Während der gesetzliche Stundenlohn in Texas zumindest 5.50 Dollar beträgt, sind es hier oft nur 55 Pesos (4,50 Dollar) am Tag. „Wie kann es sein, dass man für die selbe Arbeit unterschiedlich entlohnt wird?“, fragt Castro.

Die 52-Jährige wird nostalgisch, wenn sie an die Zeit denkt, bevor die ersten US-Firmen ihre Betriebe nach Mexiko verlagerten. „Früher hatten die Leute kein Geld, aber sie brauchten auch keines. Sei bauten an, was sie zum Essen benötigten. Waren weniger krank, die Umwelt war weniger verschmutzt. Es war ein System der Kollektivwirtschaft, in dem keiner zu kurz kam.“

Mit Spannung erwarten die Menschen in Matamoros den Ausgang der US-Präsidentenwahl und die Behandlung der Wirtschaftskrise. Jeder weiß, dass die Zukunft der Fabriken von der US-Wirtschaft abhängt. Globalisierung brachte die Arbeit, aber sie verlagert sie bereits in andere Regionen. Denn in Mittelamerika, Indien und Taiwan schwitzen Menschen für noch weniger Lohn.

Grenzgangkletterpartie

Erik Garza from Granjeno Texas has mixed feelings about the border wall in his garden

Erik Garza from Granjeno Texas has mixed feelings about the border wall in his garden

Es ist ein Damm aus rötlichem Lehm, Steinen und Sand. So steil, dass man es ohne Zuhilfenahme der Hände gerade hinauf schafft. Aber der Kies ist locker und gibt nach und es fressen einen die Gelsen. Der Damm befindet sich im Garten von Erik Garza, einem Obstbauern aus Granjeno, Texas. Oben fahren Baumaschinen und Traktoren. Sie errichten eine Mauer aus Beton, die parallel zum Rio Grande verläuft. Eines Tages soll sie die US-Grenze vor mexikanischen Einwanderer schützen.

Construction of the border wall in Granjeno, Texas (October 2008)

Construction of the border wall in Granjeno, Texas (October 2008)

Garza, dessen Gesicht ein ausladender, buschiger Schnurrbart ziert, hatte Glück. Eigentlich sollte der Wall unmittelbar neben seinem Haus verlaufen. Wären er und seine Nachbarn mit ihren Beschwerden, Petitionen und Rechtsmitteln gescheitert – sie hätten heute keine Gärten mehr. Und die schüchterne Greislerin am Eck, die auch Lassowerfstunden vermittelt, hätte nicht mehr das kleine Häuschen mit dem Klo.

2005 präsentierte die Bush-Regierung das Projekt eines Grenzwalles. Seither schwellen die Rechtsstreitigkeiten zwischen der Regierungsbehörde Homeland Security und Grundstückeigentümern. Unzählige Male verzögerten sich die Bauarbeiten. Keiner glaubt heute noch an die planmäßige Fertigstellung bis Ende 2008. Im „Valley“, dem Grenzraum des südlichen Texas – einer der ärmsten Gegenden der USA, wo fast ausschließlich Spanisch gesprochen wird – sind die Bauarbeiten erst an wenigen Stellen abgeschlossen. Beide Präsidentschaftskandidaten haben die Fortführung des Projektes angekündigt. Aber die Finanzierung ist derzeit fraglich. (Ganz zu schweigen von den Engpässen, die die Wirtschaftskrise bringt.)

An Garzas Gartenzaun prangt ein No-Wall Schild, was darauf schließen lässt, dass er die Mauer ablehnt. Aber er sagt, dass ihn nur der ursprüngliche Verlauf gestört habe. Jetzt hofft er, dass die Gegend durch den Wall sicherer wird. „Ich will nicht pauschal urteilen, aber viele, die über die Grenze kommen, sind sehr arm. Die haben nichts. Wenn sie eine Gelegenheit haben, räumen sie einem das Haus aus.“

Kraft der Demokratie

Father Michael Seifert feels that the Democrats are "more in line with God"

"The Republican policies of the past eight years have certainly done nothing to improve the commonweal of our nation," Father Michael Seifert said

Montag Mitternacht endete in Texas die Frist für die Wählerregistrierung. Davor legte sich Priester Michael Seifert noch einmal richtig ins Zeug und rief seine mexikanischstämmige Gemeinde zu den Urnen. Am Kirtag vor der San Felipe de Jesus Kirche in Cameron, einem Stadtteil der texanischen Grenzstadt Brownsville, redet er den Gläubigen ins Gewissen. Für den katholischen Geistlichen ist Wählen nämlich mehr als nur Mitbestimmen.

Für ihn ist es ein Deal, der handfeste Vorteile bringt. „Früher sind die Leute zum Bürgermeister betteln und zetern gegangen. Die Antwort war meistens: Nein. Die Politiker haben erklärt, ihr habt 1.500 Leute in Cameron und keiner geht wählen. Warum sollten wir dort etwas machen?“

Unfruchtbares Land, kein Wasser, kein Kanal, keine Feuerwehr, keine Polizei, die Post blieb in einem Haufen am Rand der Siedlung liegen. Cameron war lange eine Favela. „Uns war klar“, sagt Seifert, „wir können nur etwas ändern, wenn wir unsere Kraft als Wähler einsetzen.“ Die Kichre startete eine Kampagne. Von 1.500 Berechtigten wählten im Jahr 1996 nur 156. Im Jahr 2000 beteiligten sich bereits 1.000 Leute, und 2004 waren es 1.100. Eine Wahlbeteiligung von mehr als zwei Drittel. (In den USA liegt sie gesamt bei 55 Prozent.) Und die Politik reagierte: Im Lauf der letzen fünfzehn Jahre kamen Wasser, Strom und ein Kanalsystem. Nur die Straßenbeleuchtung fehlt noch.

Seifert ist Demokrat, aber er will in Predigten keine Wahlempfehlung geben. Auch wenn er glaubt, dass die Demokraten „näher am Willen Gottes“ sind. „Wir vertreten christlich-soziale Werte: Nächstenliebe, Teilen und Verantwortung füreinander. Dass religiöse Menschen in Cameron John McCain bevorzugen könnten, glaubt der Priester nicht. „Die Anti-Abtreibungs-Rethorik zieht bei uns nicht. Es treibt ohnehin niemand ab. Die Mexikaner lieben Kinder. Auch Stammzellenforschung ist uninteressant. Warum sollten sich die Leute um Forschung kümmern, wenn es ihnen selbst an elementarer medizinischer Versorgung fehlt?“

Keine zarte Blüte

„Sie ist Mutter, hat eine schwangere Tochter, sie ist Unternehmerin, Politikerin. Sie bringt alles unter einen Hut“, meint Margret Bice. „Sie ist einfach die perfekte Repräsentantin für die amerikanische Frau. Das hat sie heute bewiesen“, meint Danielle Chavez. Die Teenager sind begeistert von Sarah Palin, die sich gerade dem Streitgespräch mit ihrem Demokratischen Widersacher Joe Biden gestellt hat. Zusammen mit ihren Freunden vom Republikanischen Klub der Hanna Highschool und etwa 300 wesentlich älteren Parteigängern haben sich Margret und Danielle die TV-Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten auf einer Video Wall im Rancho Viejo Ressort & Country Club in Brownsville, Texas, angesehen. „Sie ist keine zarte Blüte gewesen, die sich einfach pflücken lässt“, sagt Margret.

Der Festsaal des Golfhotels ist mit Fahnen, weiß-rot-blauen Bändern und Luftballons verziert. Seit sechs Uhr am Abend hielten hier Politiker Ansprachen während die Gäste dem Buffet zusprachen. Die Grenzstadt Brownsville ist kein leichtes Terrain für die Republikaner. Seit Jahren wählt die mehrheitlich hispanische Bevölkerung Demokratisch. Aber nicht mehr lange, hoffen zumindest die jungen Republikaner, die an der Schule Plakate basteln und für McCain volontieren.

„Wir wollen die Aura Obamas brechen“, sagt Adrian Treviso, „viele beten nach, was ihre Eltern sagen“. Er und sein Bruder Fernando haben sich selbst erst kürzlich von den Ansichten ihrer Eltern gelöst. Solange Hillary Clinton im Rennen war, standen sie auf Seiten der Demokraten. „Mein Vater denkt, ich sei ein Verräter“, scherzt Adrian. Der Auslöser für sein Umdenken sei die Ankündigung Obamas gewesen, jeden krankenversichern zu wollen. „Ich bin dagegen, weil das nur mit Steuererhöhungen ginge.“

Bei Abtreibung und Umweltschutz sind nicht alle Schüler auf Linie der strengen Rechtsauslegerin aus Alaska. Dass schmälert jedoch nicht die gute Laune. „Palin hat es besser gemacht als erwartet“, sagt Danielle, „ich liebe sie!“


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