The Murder’s Capitol


Abandoned residential buildings in Youngstown

Abandoned residential buildings in Youngstown

Die Dose Pepsi aus dem Automaten ist heiß. Der Kaffee im Frühstücksraum ist kalt. Und die Rezeptionistin ist schockiert. „In die Innenstadt wollt Ihr? Wisst Ihr nicht, dass Youngstown die Hauptstadt der Mörder ist?“

Die Frau hat Recht. Nur ist sie mindestens 30 Jahre zu spät dran. Morde standen auf der Tagesordnung bevor die Stahlwerke zusperrten. Als die Stadt noch der Mafia gehörte, schlachteten sich Mitglieder rivalisierender Clans auf der Straße ab. Die Amerikaner kennen den Ausdruck „Youngstown Tune-up“ für die Anbringung einer Autobombe. Heute ringt die zwischen Cleveland und Pittsburgh in Ohio gelegene Stadt immer noch mit Kriminalität, aber dringlicher ist etwas anderes: Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Laut US Census Bureau gehört Youngstown zu den zehn am schnellsten sterbenden Städten der USA.

Zur Zeit der Hochblüte in den 1930-Jahren gab es 170.000 Einwohner. Ende der 1980er-Jahre waren es nur noch 100.000. Heute sind es knapp 70.000. Zwar kamen dank eines Wirtschaftsprogramms des Bürgermeisters neue Unternehmen. Aber in der Vorstadt haben Kreditkrise und Delogierungen das Problem der Abwanderung verschärft. Verlassene, verfallende, abgerissene Häuser; Grünflächen, wo früher ganze Siedlungen standen.

„Wir passen auf, dass Kinder nicht in diese Häuser gehen und Gangs dort keine Drogen verkaufen“, sagt Willie Williams.

willie williams on her porch. "They call me the police of the north side," she said

willie williams on her porch.

Die pensionierte Krankenschwester organisiert eine Neighborhoodwatch-Gruppe. Wenn sie nicht vor vakanten Villen den Rasen mäht oder gießt, sitzt sie auf ihrer weiß getünchten Holzveranda zwischen Windspiel und Geranien und beobachtet. Als Kredithaie durch die Viertel zogen, um den Bewohnern Sanierungskredite aufzuschwatzen, deren Zinsen bald explodierten, organisierte Williams Informationsabende.

Wie viele Afroamerikaner hofft sie auf Barack Obama. „Es ist an der Zeit, dass ein Schwarzer die Chance bekommt. Ich glaube an die Bibel und die sagt: die letzten werden die ersten sein. Und die Schwarzen waren bisher immer die letzten.“

hauptstadt-der-moerder in der Wiener Zeitung

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About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

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