Luder und Indianer


Die Zeitverschiebung ist ein Luder. Speziell für Zeitungsmacher. Wenn sie diese Zeilen lesen, ist es übermorgen, und der Konvent schon fast wieder vorbei. Würde Sie dann noch interessieren, wie mir Hillary Clintons Rede im Pepsi Center heute gefallen hat? Gegenüber den Hard-News-Kollegen im Außenpolitikressort bin ich als Kolumnist natürlich privilegiert. Während die darum kämpfen, die rapide alternde Nachrichtenlage appetitlich anzurichten, kredenze ich Ihnen einfach etwas anderes.

Ich schreibe diese Zeilen im Nachtbus von Denver nach Boulder. Man diskutiert hier die Höhepunkte des Konvents. Und scherzt. Gerade fragt ein Italiener die Dame neben mir, ob sie sich ärgere, dass die Südstaaten im Bürgerkrieg den USA zugefallen sind. Wo doch ein Sieg der Demokraten ohne Hinterwäldler viel einfacher wäre. Es soll hier allerdings nicht um Hinterwäldler gehen, sondern um Indianer. In einer kleinen Halle des Convention Center trafen sich die First American Democrats, die indigenen demokratischen Delegierten. „Viele der Ersten Amerikaner“, sagte ein Sprecher, „sind sehr aktiv, wenn es um die Wahlen in den Stämmen geht. Zu staatlichen Wahlen gehen sie aber kaum. Sie sehen sich als autonome Nationen und nicht als Teil der USA“.

Wählermobilisierung ist den indigenen Delegierten das Hauptanliegen. Was nach Nischenthema aussieht, könnte Einfluss auf das Wahlergebnis haben. Indianer machen weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung aus – aber in Staaten wie North Dakota, New Mexiko, oder Nevada könnten ein paar Tausend Stimmen den Ausschlag geben. Kooperationen mit Stammesführern, mobile Wahlzellen, eine Registrierungsoffensive nach dem Muster der Obama-Kampagne und Wahlversprechen wie bessere Gesundheitsvorsorge und Bildung sollen die Wähler zu den Urnen locken.

„Ihr habt es in der Hand“, sagt ein Delegierter ins Mikrofon, „in die Reservate zu gehen und zu mobilisieren. Welche Gründe auch immer jemand findet, nicht wählen zu gehen. Findet bessere!“

Advertisements

About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

No comments yet... Be the first to leave a reply!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: