Mystischer See aus Geld


Glynn Crooks, vize chairman of the Shakopee Mdewakanton Sioux

Glynn Crooks, vize chairman of the Shakopee Mdewakanton Sioux

Arbeitslosigkeit, Verbrechen, Alkoholismus – das sind die typischen Probleme in den Indianerreservaten. Die Shakopee Mdewakanton Sioux, 43 Kilometer südwestlich von Minneapolis, haben ein anderes Problem: Zu viele Autos. Zwar sind die meisten der Anwesen mit vier oder mehr Garagen ausgestattet. Aber sie reichen dennoch nicht, um all die Hummers, Corvettes und Escalades unter Dach zu bringen.

Quelle des Reichtums, der nicht nur Luxuskarossen, sondern auch hervorragende medizinische Versorgung, Schulbildung und Umwelttechnologie möglich machte, ist das Mystic Lake Casino. Das Privileg, Spieler abzuzocken, ist in den meisten US-Bundesstaaten den Indianerreservaten vorbehalten. Weil sein Kasino so nahe zu den Twin Citys liegt, wurde der knapp 350-köpfige Stamm zu einem der reichsten in den USA. Mit 5.000 Angestellten ist die Spielhalle der größte Arbeitgeber in der Region. Jeder Stammesangehörige bekommt einen Anteil am (geheim gehaltenen) Gewinn.

The Mystic Lake Casino

The Mystic Lake Casino

“Ich treffe Glynn Crooks, den Vizepräsidenten des Stammes in seinem Büro: einem detailgetreuen Nachbau des Westflügels des Weißen Hauses. Vom Teppich über die Topfpflanzen, vom roten Telefon bis zur Couch – alles wie im Oval Office in Washington. Crooks, er trägt ein schwarzes Hemd und darüber eine silberne Kette mit dem Emblem seines Volkes, sitzt an einer Kopie des Schreibtisches von Abraham Lincoln. Er ist ein großer Fan von allem, das mit US-Präsidenten (und Adlern) zu tun hat. „Für uns in Shakopee macht es keinen Unterschied, wer Präsident wird“, sagt Crooks. Als anerkanntes Reservat haben die Sioux in Shakopee politische Autonomie, eigene Gerichte und Polizeigewalt. „Ich persönlich war ein großer Fan von Hillary Clinton. Wer für die Indianer jetzt der bessere Kandidat ist, ist schwer zu sagen.“

Dass McCain die Indianer in seiner Rede am Parteitag der Republikaner in St. Paul einmal kurz erwähnte, ändere nichts daran, dass „Politiker viel über Schwarz und Weiß reden, aber eigentlich nie über Indianer.“

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About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

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