Todeszone beginnt hier



Zwischen den Twin Citys liegt ein Naturschutzgebiet, das aussieht wie die Wiener Lobau. Entlang des Mississippi erstrecken sich über 116 Kilometer Flussarme, Schilf und Wald. „Viele kommen, um sich zu erholen“, erklärt Paul Labovitz, der Direktor des Parks, „aber wenige wissen, dass sie sich in einem Nationalpark befinden“. Mit Labovitz und Kate Nyberg, die für den Mississippi River Fund arbeitet, fahre ich in einem Motorboot den Fluss entlang. Vorbei an Fischern, Ruderern und den legendären Cold Springs, wo der Minnesota River in den Mississippi mündet. Für die Dakota Indianer war dies ein heiliger Ort. Für die Weißen einer von strategischer Bedeutung. Den Eingeborenen setzten sie ein Fort vor die Nase.

Die Flussmündung ist auch aus einem anderen Grund interessant. Hier lässt sich beobachten, wie sich eine Umweltschutzidee ins Gegenteil verkehrt. Seit die US-Landwirtschaft verstärkt Mais zur Gewinnung von Biokraftstoff anbaut, rinnt noch mehr Düngemittel in die Flüsse. Vor den Cold Springs ist der Mississippi sauber, aber nach der Mündung trübt der dreckige Minnesota River das Wasser. Auf der Reise durch die US-Agrarregionen wird der Mississippi weiter Gift in sich aufnehmen. Im Golf von Mexiko löst der nährstoffreiche Brei dann einen Prozess aus, der Algen wuchern lässt und Flora und Fauna auf einer Fläche von mehr als 20.000 Quadratkilometern zerstört. „Die Todeszone beginnt hier“, erklärt Labovitz und deutet auf die schmierige Wasseroberfläche, die da und dort blubbert.

Im Präsidentschaftswahlkampf war Umweltschutz bisher kein Thema. Dies, obwohl in den USA intensiver über ökologische Alternativen nachgedacht wird als je zu vor. In den Städten der West- und Ostküste wird Müll getrennt, „Organic Food“ verzehrt, man baut Radwege und Niedrigenergiehäuser. Bis zur höchsten politischen Ebene sind grüne Ideen allerdings nicht vorgedrungen. „Weder beim Konvent der Demokaten noch bei dem der Republikaner“ ärgert sich Labovitz, „wurde Umweltschutz erwähnt“.

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About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

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