Das Fleisch der Einwanderer



„Get the fuck out of here!”, schreit der Vorarbeiter. Ich bin auf eine metallene Plattform geklettert, um die Hunderten Rinder zu fotografieren, die hier darauf warten, geschlachtet zu werden. Mein Besuch in dem Schlachthaus im Süden von Omaha, Nebraska, dem zweitgrößten Fleischverarbeitungszentrum der USA, freut hier allerdings niemanden.

24.000 Menschen arbeiten in den Fleisch verarbeitenden Betrieben in und um Omaha, erklärt Soziologin Lourdes Gouveia: 80 Prozent der Beschäftigten sind illegale Einwanderer aus Lateinamerika. „Wer eine Sozialversicherungsnummer vorweist, wird eingestellt”, erklärt der Mexikaner Jose Ramirez (Name v. d. Red. geändert. Anm.), der vor vier Jahren den Rio Bravo durchschwamm, um hier einen Job zu finden. Heute arbeitet er als Buchhalter in einer der Fleischfabriken. „Die Unternehmen stellen keine Fragen. Selbst, wenn einer sagt, dass er Joe Smith heißt – obwohl er kein Wort Englisch kann.“

Ab Ende der 1980-Jahre – als es noch einfach war, Arbeitsbewilligungen zu bekommen – warb man in Mexiko um Gastarbeiter. Heute geschieht die Einwanderung in einer Dunkelzone. Zwischen 3.000 und 6.000 Dollar kostet eine Sozialversicherungsnummer. Um die gesetzlichen Mindestlöhne von 19 Dollar pro Stunde (inklusive Steuern und Sozialabgaben) zu umgehen, beauftragen die Fleischereien Leiharbeitsfirmen, was den Lohn auf fünf bis acht Dollar pro Stunde drückt.

Die für die US-Wirtschaft überlebenswichtigen Kräfte aus Lateinamerika ändern auch die Ausgangslage bei den Wahlen. „Traditionell haben die Latinos demokratisch gewählt, aber das muss nicht so bleiben“, sagt Gouveia. Beide Kandidaten haben im Senat für Gesetze gestimmt, die illegalen Immigranten den Aufenthalt erleichtern. Inzwischen spreche sich John McCain unter Rücksichtnahme auf den rechten Flügel seiner Partei allerdings für strengere Grenzkontrollen aus. „Ich weiß nicht, wie es ausgehen wird. Aber ich weiß, dass beide Parteien sehr hart um die Stimmen der Latinos kämpfen müssen.“

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About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

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