Angst und Blut


Mike Schmidt, born in Frankfurt, moved to Omaha in 1962

Mike Schmidt, born in Frankfurt, moved to Omaha in 1962

In den 1970-Jahren war der Norden Omahas cool. Im Dreamland spielten Preston Love und Buddy Miles, das Nachtleben blühte und die Subkultur auch. „Hierher ist man gegangen, wenn man Spaß haben wollte. Zum Musikhören, Pool spielen und um in eine Rauferei zu geraten“, sagt Mike Schmidt, der im Jahr 1962 als 13-Jähriger von Frankfurt nach Omaha kam. Inzwischen sieht es hier aus wie mancherorts in Detroit, Pittsburgh oder Youngstown: Verlassene, vernagelte und abgerissene Häuser. Tote Geschäftslokale.

Was für ein Gegensatz zum Süden Omahas, wo die Einwanderer aus Lateinamerika leben. Die ersten von ihnen kamen Ende der 1990, um in den Fleischfabriken zu arbeiten. Inzwischen haben sie das Stadtbild umgekrempelt. Mexikanische Restaurants, Töpfereien und Geschäfte mit importierten Cowboyhüten und Stiefeln. Am Plaza warten schnurrbärtige Tagelöhner auf Jobs. „Viele hier meinen, die Mexikaner haben die Stadt übernommen“, sagt Schmidt. „Aber ich finde es gut. Ohne sie wäre es eine Geisterstadt.“

Mike kennt Omaha. Und Omaha kennt ihn. Er wuchs zu einer Zeit auf, als die 400.000-Einwohner-Stadt das wichtigste Handelszentrum für Vieh war und die Fleischindustrie blühte. „In den Straßen roch es nach Angst und Blut. Schlachthäuser leiteten die Abfälle direkt in die Flüsse. Wir fingen damals die fettesten Fische“, sagt Schmidt, der heute mit billigen Autos handelt und dessen deutscher Akzent immer noch durchschlägt. Schmidt ist ein eingefleischter Demokrat. Vor allem, weil er findet, dass die USA ein besseres Gesundheitssystem brauchen. Einmal in seinem Leben musste er ins Spital. Wegen eines Nierensteins. Die medizinische Behandlung kostete ihn 5.500 Dollar, weil er nicht krankenversichert war. „Amerika ist ein gutes Land. Und die allermeisten Menschen sind gut. Aber die Leute haben so viel Angst. Lokale Medien und viele Politiker schüren diese Ängste. Inzwischen bin ich so weit, dass ich keine Lokalzeitungen mehr lese. Ich kauf mir lieber die „New York Times“ am Sonntag.“

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About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

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