Ein Wall, den keiner will


Tony Knobb opposes the border wall. "

Tony Knobb, a history professor at the University of Texas in Brownsville, opposes the border wall."It is a hostile signal against Mexico," he said.

Wenn Amerikaner an die Twin Cities denken, dann meist an St. Paul und Minneapolis, die verwachsenen Metropolen des Nordens. Aber ganz im Süden der USA, wo Texas tief ins Innere von Mexiko schneidet, gibt es noch einmal Schwesternstädte: Brownsville und – auf mexikanischer Seite – Matamoros. Die Geschichte der beiden reicht bis in die Mitte des 19. Jh. und ist eng verwoben mit der des mexikanisch-amerikanischen Krieges. Bis Jahresende soll die Städte ein Wall trennen, der parallel zum Ufer des Rio Bravo verläuft.

Das Leben hier spielte sich stets grenz- und flussüberschreitend ab. Englisch ist hier für 90 Prozent der Bewohner die erste Fremdsprache. Zum Arbeiten, Einkaufen und Familie besuchen wird gependelt. „Diese Trennung ist surreal“, sagt Viktor Emmanuel Trevino Escudero, der mexikanische Konsul in Brownsville: „Es gibt niemanden vom Bürgermeister bis zum Sheriff, der dieses Projekt unterstützen würde.“ Monatelang liefen Rechtsstreitigkeiten zwischen Grundbesitzern und US-Regierung. „Ich glaube nicht, dass irgendwer etwas gegen die Umsetzung von Immigrationsgesetzen hat“, sagt Tony Knobb, Geschichtsprofessor der Universität von Texas in Brownsville, „aber die Mauer ist ein feindseliges Signal gegenüber Mexiko und sie schreckt niemanden ab“. In Brownsville geht der Grenzwall quer durch einen Nationalpark. Ursprünglich hätte sie durch das Universitätsgelände führen sollen. Der Goldplatz der Uni und das historische Fort wären vom Kampus getrennt worden.

Knobb, registrierter Republikaner, findet den millionenschweren Bau angesichts der finanziellen Probleme von Brownsville absurd. Die 140.000 Einwohner-Stadt ist, wo jeder zweite die Highschool abbricht, ist eine der ärmsten in den USA. Inzwischen würden die Bauarbeiten auch von der wirtschaftlichen Realität ad absurdum geführt, meint Knobb. „Gastarbeiter überweisen immer weniger Geld nach Mexiko.“ Wenn die Krise anhält, glaubt er, werde man möglicher Weise bald eine Völkerwanderung vom Norden in den Süden erleben.

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About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

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