„Die haben mich gemartert“


Der ehemalige Fürnkranz-Geschäftsführer Karl Bauer erinnert sich an die Anti-Pelz-Kampagne gegen seine Firma

Wenn es um Tierschutzaktivisten geht, wird Karl Bauer fuchtig. „Lauter Wahnsinnige“, ärgert sich der ehemaligen Fürnkranz-Geschäftsführer, der sich in 30 Jahren vom Lehrling zum Chef hochgearbeitet hat. Von 2006 bis 2008 stand die Wiener Modekette Fürnkranz im Visier der Tierschutzbewegung. Zuerst mit E-Mails, später mit Demonstrationen forderten Tierrechtsaktivisten sie auf, den Handel mit Pelzen einzustellen. Bauer, der Ende April beim Tierschützerprozess in Wiener Neustadt als Zeuge aussagen wird, erinnert sich, wie er während der Kampagne als Lügner und Mörder beschimpft wurde.

Falter: Wann kamen Sie zum ersten Mal mit den Tierschützern in Berührung?

Karl Bauer: Im Herbst 2006 sind die ersten E-Mails eingetroffen. Ein gewisser Felix H. (der Zweitangeklagte im Tierschützerprozess in Wiener Neustadt, Anm.) hat sie unterzeichnet. Die ersten waren in sehr freundschaftlichem Ton. Darin ist gestanden: „Es findet in Kürze beim Verein gegen Tierfabriken eine Abstimmung statt, in der wir entscheiden, gegen wen die nächsten Aktionen gestartet werden.“ Wenn ich ein beigelegtes Formular unterschreiben würde, in dem ich verspreche, ab sofort den Pelzhandel einzustellen, haben die gesagt, werde es keine Kampagne geben.

Wie haben Sie reagiert?

Bauer: Ich habe ihnen irgendwann zurückgeschrieben, dass wir den Pelzhandel ohnehin einstellen, weil das derzeit kein Geschäft ist, dass wir aber vorhandene Bestände abverkaufen. Eine Zeitlang war Ruhe. Aber dann sind wieder E-Mails gekommen. Als wir die ignorierten, haben sie geschrieben, dass sie in 24 Stunden eine Kampagne beginnen. Ein Link zu einer Seite war auch dabei, auf der über Antipelzaktionen berichtet wurde.

Was ist dann passiert?

Bauer: An den Wochenenden haben sich 50 bis 100 Gestörte vor einzelnen Filialen versammelt. Vermummt wie in der deutschen Terrorszene, mit Hauben wie beim Banküberfall oder in blutigen Pelzen. Niemand wurde unbehelligt ins Geschäft gelassen und die, die herausgekommen sind, mussten ihre Sackerln öffnen. Nachdem H.C. Strache unser Anliegen aufgegriffen hat, sind sie persönlich auf mich losgegangen. Die haben skandiert: „An Karl Bauers Händen klebt Blut“ und „Karl Bauer ist ein Versprechensbrecher“. Es war eine Marter.

Klebt Blut an Ihren Händen? Sind Sie ein Versprechensbrecher?

Bauer: Ich habe denen nie irgendetwas versprochen. Und an meinen Händen klebt sicher kein Blut: Ich hab sowohl Felix H. als auch Martin Balluch (der Erstangeklagte in Wiener Neustadt, Anm.) gesagt: „Hören Sie, gegen Tierleid bin ich auch. Da laufen Sie bei mir offene Türen ein.“ Deswegen hat Fürnkranz nie Pelze aus irgendwelchen dubiosen Pelzfarmen in Asien gekauft. Ich habe mich sogar freiwillig dazu bereit erklärt, eine Pelzauszeichnungspflicht für unsere Produkte einzuführen: Auf jeder Rechnung ist gestanden, ob dieser Rotfuchs aus Kanada oder aus Skandinavien kommt.

Laut Verein für Tierfabriken sind auch die Haltungsbedingungen in Skandinavien alles andere als artgerecht. Martin Balluch hat im Zuge mehrerer Recherchereisen dokumentiert, dass die Tiere auch dort in den Pelzfarmen auf Eisenrostböden in viel zu engen Käfigen stehen.

Bauer: Wenn man sich diese Farmen anschaut, hat er inhaltlich schon Recht. Aber warum setzt man nicht dort den Hebel an, wo produziert wird?

Warum, denken Sie, kam es gegen Fürnkranz nicht zu ähnlichen Gewaltakten wie bei Kleider Bauer, wo es Stalking gegen einzelne Mitarbeiter gab, wo Autos beschädigt und Geschäfte mit Buttersäure attackiert wurden?

Bauer: Weil man ihnen rechtzeitig das Handwerk gelegt hat. Wir haben damals natürlich versucht, alles in Bewegung zu setzen. Bis hinauf in höchste Polizeikreise. Die Polizei hat uns gebeten, jede Erfahrung zu übermitteln. Es ist übrigens ein lustiger Zufall, dass ich mit dem Chefermittler Zwettler gemeinsam in die Volksschule gegangen bin. Wir haben der Sonderkommission Sachverhaltsdarstellungen und Fotos geschickt, die wir von den Vermummten gemacht haben. Übrigens auch einen interessanten Kurzfilm von einer Demonstration im Oktober 2008, wo Balluch Terror verbreitete.

Was meinen Sie mit Terror?

Bauer: Er ist vor einer Filiale gestanden und hat „Karl Bauer ist ein Tiermörder, an seinen Händen klebt Blut“ in ein Megafon gerufen. Ich bin hingegangen und hab mich ihm vorgestellt. Daraufhin hat er in Richtung Polizei gesagt, dass er von mir bedroht werde. Was für eine Absurdität.

Sie sprechen von Terror. Dabei geht es um angemeldete Demonstrationen.

Bauer: Wenn einer auf der Kärntner Straße seinen Willen kundtut, Spenden und Unterschriften sammelt, mag das rechtens sein. Wenn aber 100 Wahnsinnige an einem Einkaufssamstag vier, fünf Stunden lang ein Geschäft blockieren, ist das gezielter Terror in Richtung Einzelhandel, mit dem Ziel, Schaden anzurichten. Ein Tag Demonstration hat uns 10.000 Euro gekostet plus Imageschaden. Wie so etwas in Österreich toleriert werden kann, ist mir – auch als Demokrat – ein Rätsel.

“Falter” Nr. 11/10 vom 17.03.2010 Seite: 15 Ressort: Politik

Advertisements

About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

4 Responses to “„Die haben mich gemartert“”

  1. Ich selbst bin kein Tierrechtler, aber gegen Ausbeutung und Gewalt.
    In dieser Argumentation wird übersehen, dass Pelz keine Geschmacksfrage ist, sondern aus extremen Tierleid entsteht.
    Da die Tiere keine Stimme haben oder diese nicht gehört wird. Zb. verstümmeln sie sich in den engen Käfigen durch Abbeißen von Pfoten selbst. Sogar diese extremen Verhaltensweisen werden vom Menschen “einfach übergangen.” Hauptsache das Fell sieht tadellos aus. Das ist in Skandinavien nicht besser als in China. Da das Tier in der schwächeren Position ist, kann man ihm einfach seine Haut abziehen und sie gewinnbringend veräußern. Doch darf man sich nicht wundern, wenn Menschen, denen das nicht alles egal ist, ihre Stimme für die Tiere erheben. Ich denke dies ist stellvertretend für den Protest der Tiere zu sehen, die sicher nicht damit einverstanden sind, dass ihnen ihre Haut, die ja ein natürlicher Bestandteil ihrer selbst ist, gestohlen wird. Das ist übrigens nicht nur in Österreich so, sondern weltweit. (Pelzproteste) Wenn man nun mit solchen Qualprodukten Profit macht, fördert man diesen Produktionszweig und damit das Tierleid. Eine Widersinnigkeit ist in der obigen Aussage zu erkennen, zuerst die Ankündigung vom Pelzhandel auszusteigen und danach wird nur mehr von Deklarationspflicht, woher die Pelze stammen, gesprochen.
    Ich verstehe diese Ignoranz nicht, der Geschäftsinhaber ist über das Tierleid “inhaltlich” informiert, zieht aber nicht seine Konsequenzen daraus und unterstützt durch seine Nachfrage nach diesen “Produkten” diese Praktiken weiterhin und schiebt seine Verantwortung noch ab und sagt, man solle dort ansetzten, wo produziert wird. Nur solange die Nachfrage herrscht, wird dieses Qualprodukt eben “produziert”. Zweitens wenn man Wildtiere wie Füchse nur relativ artgerecht halten würde, gebe es keine Pelzfarmen mehr. Wissen sie welches Territorium ein Fuchs, der auf Pelzfarmen in winzigen Käfigen gehalten wird, in Freiheit benötigt?

  2. Ich selbst bin kein Tierrechtler, aber gegen Ausbeutung und Gewalt.
    In dieser Argumentation wird übersehen, dass Pelz keine Geschmacksfrage ist, sondern aus extremen Tierleid entsteht.
    Da die Tiere keine Stimme haben oder diese nicht gehört wird. Zb. verstümmeln sie sich in den engen Käfigen durch Abbeißen von Pfoten selbst. Sogar diese extremen Verhaltensweisen werden vom Menschen “einfach übergangen.” Hauptsache das Fell sieht tadellos aus. Das ist in Skandinavien nicht besser als in China. Da das Tier in der schwächeren Position ist, kann man ihm einfach seine Haut abziehen und sie gewinnbringend veräußern. Doch darf man sich nicht wundern, wenn Menschen, denen das nicht alles egal ist, ihre Stimme für die Tiere erheben. Ich denke dies ist stellvertretend für den Protest der Tiere zu sehen, die sicher nicht damit einverstanden sind, dass ihnen ihre Haut, die ja ein natürlicher Bestandteil ihrer selbst ist, gestohlen wird.

  3. Fortsetzung: Das ist übrigens nicht nur in Österreich so, sondern weltweit. (Pelzproteste) Wenn man nun mit solchen Qualprodukten Profit macht, fördert man diesen Produktionszweig und damit das Tierleid. Eine Widersinnigkeit ist in der obigen Aussage zu erkennen, zuerst die Ankündigung vom Pelzhandel auszusteigen und danach wird nur mehr von Deklarationspflicht, woher die Pelze stammen, gesprochen.
    Ich verstehe diese Ignoranz nicht, der Geschäftsinhaber ist über das Tierleid “inhaltlich” informiert, zieht aber nicht seine Konsequenzen daraus und unterstützt durch seine Nachfrage nach diesen “Produkten” diese Praktiken weiterhin und schiebt seine Verantwortung noch ab und sagt, man solle dort ansetzten, wo produziert wird. Nur solange die Nachfrage herrscht, wird dieses Qualprodukt eben “produziert”. Zweitens wenn man Wildtiere wie Füchse nur relativ artgerecht halten würde, gebe es keine Pelzfarmen mehr. Wissen sie welches Territorium ein Fuchs, der auf Pelzfarmen in winzigen Käfigen gehalten wird, in Freiheit benötigt?

  4. ‘Und an meinen Händen klebt sicher kein Blut: Ich hab sowohl Felix H. als auch Martin Balluch (der Erstangeklagte in Wiener Neustadt, Anm.) gesagt: „Hören Sie, gegen Tierleid bin ich auch. Da laufen Sie bei mir offene Türen ein.“’

    pelzproduktion unermesslich fördern, und behaupten, an seinen händen klebe kein blut. selten ist mir ein ärgeres oxymoron zu ohren gekommen.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: