Aus der Serie Umweltpioniere: Erfolg ist nicht gleich Gewinn


Seit 1994 produziert das oststeirische Unternehmen KWB Biomasseheizungen für Ein- und Mehrfamilienhäuser. Hinter dem Erfolg der Firma, steht innovative Umwelttechnik und eine Unternehmensphilosophie jenseits von Gewinnmaximierung.

Erwin Stubenschrott in der Fertigungshalle von KWB

Wer das Büro von Erwin Stubenschrott betritt, ist zunächst einmal verwundert, mit wie wenig Raum der Mann auskommt. Auf zwölf Quadratmetern finden sich Tisch, zwei Stühle und einige Zimmerpflanzen. Bescheiden für den Manager eines internationalen Unternehmens mit mehr als 50 Millionen€ Umsatz, das es zum Marktführer in Europa gebracht hat.

Zum Image von der KWB Kraft und Wärme aus Biomasse GmbH passt der bescheidene Arbeitsplatz des Firmenchefs freilich hervorragend. Hat sich das Unternehmen doch von Beginn an nicht nur als innovativer Produzent umweltverträglicher Pellets- und Hackschnitzelheizungen einen Namen gemacht, sondern auch als Unternehmen im Dienst des Gemeinwohls. “Wirtschaft ist nicht dafür da, möglichst viel Gewinn auszuschütten”, sagt Stubenschrott, der die Firma zusammen mit dem Grazer TU-Professor August Raggam gegründet hat.

Stubenschrott holte die Fabrik samt dazugehörigem Forschungszentrum in seine Heimatgemeinde St. Margarethen an der Raab. Um die Arbeit zu den Menschen zu bringen und nicht die Menschen zur Arbeit. Sozialleistungen für die Arbeitnehmer und flache Hierarchien bewirkten weniger Fluktuation, weniger Krankenstände und mehr mediale Aufmerksamkeit. Gewinne werden reinvestiert, statt ausgeschüttet. “Die Wirtschaft wird immer als grausliches Monster hingestellt”, sagt Stubenschrott, der früher den Werksbetrieb in der Justizanstalt Karlau führte, “das muss sie aber nicht sein. Es sind die handelnden Menschen, die ihr Gesicht bestimmen. Das kann ein hartes, unsoziales Gesicht sein, oder ein soziales, freundliches.”

Dass sich seine Philosophie, mit der er sich auf einer Linie mit  Christian Felbers Gemeinwohlökonomie sieht, bewährt, zeigen die Kennzahlen: Mit einem Umsatz von 55 Millionen € erreichte man 2008 das beste Ergebnis der Firmengeschichte. Vom Vier-Mann-Unternehmen wuchs die Firma zum internationalen Player mit mehr als 40. 000 Kunden. Zu den 200 steirischen Mitarbeitern kommen weitere 150 in zehn Auslandsniederlassungen. Billiger als Öl und Gas Die sogenannte Pelletskrise 2007, als der Preis des Brennstoffs in die Höhe schoss, ist inzwischen ebenso überwunden wie die Wirtschaftskrise 2008.

Viel einfacher wird es auf dem Markt allerdings nicht. Konventionelle Heizkesselhersteller drängen in den Markt erneuerbarer Energien. Immer noch ist die Errichtung einer Hackschnitzelheizung um rund 15 Prozent teurer. “Bedenken wir aber, wie viel Wertschöpfung im Inland uns durch den Import von Öl und Gas verloren geht”, mahnt Stubenschrott, “und bedenken wir die Auswirkungen auf das Klima, könnte man jedem Österreicher eine Biomasse-Heizung schenken und würde damit immer noch billiger fahren.”

Aus der Serie Umweltpioniere für das Wirtschaftsblatt

 

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About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

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