Die Luft, die wir atmen


Aus der Serie “Umweltpioniere” für das Wirtschaftsblatt

Zuerst kam der sauere Regen. Dann kamen Treibgase, Ozon und Feinstaub: Beim Messtechnikunternehmen Recordum überwacht man seit 30 Jahren die Schadstoffe in der Luft.

Manche Stellen auf der Landkarte sind zu eng mit Stecknadeln gespickt, als dass noch Platz für weitere wäre: Westeuropa, Kanada oder Südkorea zum Beispiel. Andere – so wie die USA oder Südamerika – sind hingegen so gut wie leer. “Wir expandieren sehr vorsichtig”, erklärt Jörg Kilgus, “wir gehen nur dann in eine Region, wenn wir dort verlässliche Vertriebspartner haben”.

Kilgus ist Eigentümer und Co-Geschäftsführer von Recordum GmbH, einem Luftmesstechnik-Unternehmen aus Mödling. Seit Jahren Marktführer in Europa, exportiert der Familienbetrieb seine Geräte inzwischen an Behörden und Industriebetriebe (fast) aller Erdteile: Insgesamt 5.000 Luftmesser zählen an den unterschiedlichsten Orten Schmutzpartikel aller Art und kontrollieren so die Anwendung von Luftreinhaltegesetzen.

“Unsere Spezialität ist die Erzeugung von Messanlagen, die kompakter als gewöhnlich sind”, erklärt Kilgus. Sind die sensiblen Sensoren üblicher Weise in Baucontainer eingebaut, die gleichermaßen Schutz vor Druck, Stößen und extremen Temperaturen bieten, steckt man bei Recordum die Apparaturen in sogenannte “Airpointer” (Stückpreis 50.000 bis 60.000 Euro), die gerade einmal so groß sind wie ein Kühlschrank und damit relativ mobil. “Außerdem haben wir die Klimatisierung optimiert”, erklärt Kilgus, “so dass wir in Kanada bei arktische Temperaturen von minus 50 Grad ebenso operieren können wie in Indien bei tropischem Klima”.

War das – 1980 von Jörg Kilgus’ Vater Traugott gegründete – Unternehmen anfangs darauf spezialisiert, US-Geräte zu importieren, rief man bald eine eigene Forschungs- und Produktionsabteilung mit Sitz im niederösterreichischen Münchendorf ins Leben. Heute beschäftigt der Betrieb 40 Mitarbeiter, die Hälfte davon arbeitet in Österreich. Der Jahresumsatz liegt bei acht bis neun Millionen Euro.

Entsprechend dem jeweils aktuellen Forschungsfokus richtete man die Luftmesser auf immer neue Schadstoffe aus. Waren es in den 1980er-Jahren noch Schwefelpartikel aus Abgasen, die den sauren Regen verursachten, folgten später Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle, bodennahes Ozon und Feinstaub.

Letzterer stellt die Qualitätsmesser übrigens vor besondere Probleme: “Während es bei den anderen Stoffen um ganz genau definierte Moleküle geht”, sagt Kilgus, “ist Feinstaub ein undefinierter Stoff”. Meist handle es sich um Kunststoffteilchen, die sich an Kohlenwasserstoffe oder auch Schwermetalle binden. “Man misst die Masse dieser Teilchen”, erklärt Kilgus, “je kleiner sie sind und je tiefer sie in die Lunge dringen und je mehr Mikrogramm Feinstaub ein Kubikmeter Luft enthält, desto schlechter”.

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About Matthias Bernold

Matthias G. Bernold ist ein österreichischer Journalist, Jurist und Fotograf. Er lebt derzeit in New York.

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