Ein Fernsehrad für Wien

Im April 2015 gingen wir erstmals mit dem TV-Radl, einem mobilen TV-Studio auf Basis eines Lastenrades auf Sendung. Hier der Bericht darüber von Christian Rösner in der “Wiener Zeitung”.

Wien. Der Stadtsender W24, die „Wiener Zeitung“ und das Lastenrad-Unternehmen Cyclecraft haben zusammen ein TV-Studio-Fahrrad entwickelt. Beim Argus Bike Festival wird das extravagante Teil offiziell der Öffentlichkeit präsentiert.

Wenn heute und morgen (11. und 12. April) am Rathausplatz das Argus Bike Festival stattfindet, ist es um eine Attraktion reicher: ein mobiles TV-Studio-Fahrrad, auf dem – auch während der Fahrt – Interviews und Streitgespräche geführt werden können. Das weltweit erste mit Muskelkraft betriebene TV-Studio entstand aus einer Idee des „Wiener Zeitung“-Journalisten Matthias Bernold, der für die Tageszeitung auch den Fahrrad-Blog „Freitritt“ betreibt. Das fahrende Studio wurde von den Wiener Lastenradspezialisten Cyclecraft für den Stadtsender W24 und die „Wiener Zeitung“ konstruiert.

Als Basis für das TV-Bike dient ein niederländisches Fietsfabriek-Lastendreirad. Die Cyclecraft Designer Helmuth Bronnenmayer und Alexander Wolf, die in der Vergangenheit schon Kaffee-, Bier-, Musik- und Eisfahrräder bauten, konstruierten dazu den TV-Studio-Aufbau aus Holz und Alu-Dibond. Das hundert Kilo schwere, 2,70 Meter lange und 85 Zentimeter breite Gefährt ist mit einem Pedelec-Elektromotor ausgestattet, damit es auch mit Zuladung relativ mühelos bewegt werden kann. Zwei Fahrgästen finden im Studio-Fahrrad Platz. „An dem Projekt zeigt sich, welche Möglichkeiten Lastenrädern eröffnen können“, erklärt Wolf, der für Design und Bau des Rades knapp drei Monate benötigte.

Erste Tests in der Praxis

Am Donnerstag wurde das TV-Rad erstmals in der Praxis getestet: Bernold radelte vom W24-Studio im 14. Bezirk zum Burgtheater, wo erste Test-Interviews stattfanden. „Natürlich fährt es sich nicht wie ein Rennrad, und man muss sich erst an das Handling gewöhnen“, erklärte er nach der ersten Ausfahrt: „Aber es ist ja auch nicht für die Österreich-Radrundfahrt gebaut.“

Für das erste Test-Interview stellte sich Martin Blum, der Chef der Mobilitätsagentur, den Fragen von W24-Reporterin Jenny Posch. Das Gespräch fand am Ringradweg und im Volksgarten statt. Fazit: Das TV-Rad bewährt sich, und es erzeugte gewaltiges Interesse bei den Zaungästen.

Für den Regelbetrieb muss die Technik für das Pilotprojekt noch optimiert und feinjustiert werden. „Die mobile Stromversorgung ist für uns die größte Herausforderung“, sagt Werner Stolarz, der bei W24 Produktion und Technik leitet. Eine Autobatterie unter einem der beiden Gästesitze versorgt die drei LED-Scheinwerfer, die vier On-Board-Kameras, die Mikrofone und den Tascam-Recorder für den Ton mit Strom. Seinen ersten richtigen Einsatz hat das TV-Rad am Samstag beim Argus Bike Festival, wo es in Anwesenheit der Konstrukteure und Medienpartner präsentiert wird.

„Urbanität und Innovation sind Themen, die uns in dieser Kooperation besonders interessieren“, erklärt W24-Programmdirektor Michael Kofler: „Das erste mobile TV-Studio ist Ausdruck und Symbol eines umwelt- und lebensfreundlichen Zeitgeistes.“

Das Argus Bike Festival am Rathausplatz ist die größte Fahrrad-Veranstaltung Österreichs und das größte Bike-Festival Europas. Es findet Samstag und Sonntag jeweils von 9 bis 18 Uhr statt.

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Glosse in der Wiener Zeitung: Schnauz-Zeichen

Meine Glosse in Extra, der Wochenendbeilage der Wiener Zeitung (6. Dezember 2014)…

Der “Movember” ist vorbei und geht – wie immer – nahtlos in den Advent über. Aus Übersee erreichte mich deshalb Nachricht von einer lieben Freundin. Ob ich ihr den Wunsch erfüllen möge und den grauslichen Schnauzer endlich aus meinem Gesicht entferne?

Mit diesem Anliegen ist die Gute nicht allein, auch unter daheimgebliebenen Bekannten gibt es viele, die mein Bärtchen mit Attributen wie “irgendwie unheimlich”, “wie unser ehemaliger Nachbar in Liesing”, “wie ein Statist in einem Mantel- und Degenfilm” oder nur “brrr” belegen. Einigen gefällt er auch, sie sind aber in der Minderheit.

Mit dem Schnauzbart ist es so, dass er jeden zu Positionierung zwingt. Es gibt kein anderes Haar am menschlichen Körper, das derart polarisiert. Das Achselhaar vielleicht: Aber das hat politische Gründe. Nasenhaar oder Ohrhaar wiederum sind relativ einhellig unerwünscht. Keiner lässt sich einen Ohrbusch stehen, um damit ein ästhetisches Zeichen zu setzen oder stilistisch an eine historische Epoche zu erinnern.

Aber der Reihe nach. Vergangenen Monat reiste ich nach Graz, um dort einer Operettenpremiere (“Die lustige Witwe”) beizuwohnen. Für diese Gelegenheit rasierte ich mein Gesicht, mit Ausnahme eines schmalen Streifens auf der Oberlippe. Ein guter Zeitpunkt aus dreierlei Gründen: Erstens, “Die lustige Witwe”, wo Schnurrbart – weil Operette – quasi ohnehin Pflicht. Zweitens, Movember, also medizinisch indiziert (das “Movember” genannte Schnauzerwachsenlassen im November soll auf die Wichtigkeit von Prostata-Vorsorgeuntersuchungen hinweisen). Drittens: Weil ich bald 40 Jahre alt sein werde.

Rund um diese Zeiten-Schneise beobachte ich bei vielen meiner Freunden eine gewisse Irritation, die zur Ausbildung neuer, teilweise recht eigentümlicher Verhaltensweisen führt, etwa zu leistungssportmäßig betriebenem Bodybuilding und Salsa-Tanzen bis in die Morgenstunden. Einer fährt von einem Seminar zum nächsten, um unter Drogeneinfluss die eigene Männlichkeit zu verstehen. Der Nächste reagiert mit totalem sozialen Rückzug oder profunder sexueller Neuorientierung. Manche flüchten auch in die Vaterschaft.

Woher diese Irritation kommt, vermag ich nicht zu erklären. Wohin sie geht, lässt sich beobachten. In meinem Fall: in den Schnauz. Der Bart markiert den Zeitpunkt großer Veränderung. Zeigt starken Wellengang auf dem Meer der Gefühle an.

In diesem Sinn bitte ich also mein Umfeld um größtmöglichen Respekt und Rücksichtnahme. Seht den Schnauz wie ein Fragezeichen, das sich um meine “Oberliebe” schmiegt. Er ist ein Zeichen des Wissen- und des Verstehenwollens. Kann gut sein, dass er sehr bald seinen Zweck erfüllt hat. Ich hoffe es beinahe.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/glossen/720867_Schnauz-Zeichen.html

DRAHTESEL 2.0 – Die Relaunch Party

Das Magazin “DRAHTESEL” lädt am kommenden Donnerstag, dem 10. Juli 2014, zur Relaunch-Party in die Strandbar Adria am Wiener Donaukanal (Beginn 20 Uhr).

Wien (OTS) – Gefeiert wird die inhaltliche und grafische
Überarbeitung des Heftes, das heuer sein 30-jähriges Jubiläum begeht. Das neue “DRAHTESEL”-Team um Chefredakteur Matthias Bernold und Art Direktorin Anna Hazod freut sich, an diesem Abend Leserinnen und Leser persönlich kennen zu lernen. Seit 6. Juli ist auch die neue Website http://www.drahtesel.or.at online.

Der von der Radfahrer-Interessensvertretung ARGUS herausgegebene “DRAHTESEL” (Auflage: 15.000 Stück, Reichweite: 40.000) ist das meist gelesene österreichische Fahrrad-Magazin. Der “DRAHTESEL” berichtet über Mobilität, Lifestyle, Mode und Reisen. Er wirkt zudem als verkehrspolitisches Sprachrohr der ARGUS und der anderen Vereine der Radlobby Österreich. Art

Direktorin Hazod – sie war zuvor u.a. für den “Falter” und die “Zeit” tätig – hat für den “DRAHTESEL” ein dynamisches Layout entworfen, das sich durch klare Struktur und freche Illustrationen auszeichnet.

“Der DRAHTESEL ist die Stimme für eine Fahrrad-freundliche Politik”, sagt Chefredakteur Bernold, der als Radblogger für die “Wiener Zeitung” schreibt und lange für die Stadtzeitung “Falter” tätig war: “Jetzt zeigt der DRAHTESEL auch die Vielfalt der Rad-Szene und macht Lust darauf, in den Sattel zu steigen.”

Für Herausgeber-Vertreter und ARGUS-Obmann Andrzej Felczak soll
das Magazin neue Zielgruppen erschließen: “Immer mehr Österreicher fahren Rad. Mit einem attraktiven Heft wollen wir die Öffentlichkeit für deren Bedürfnisse sensibilisieren.”
http://www.drahtesel.or.at

Relaunch-Party: DRAHTESEL – Das österreichische Fahrrad-Magazin Die “DRAHTESEL”-Redaktion feiert zusammen mit Leserinnen und Lesern den Relaunch des Magazins. Datum: 10.7.2014 um 20:00 Uhr Ort: Strandbar Adria, Donaukanal, zwischen Salztorbrücke und U2/U4-Schottenring (2. Bezirk-Seite) http://www.adriawien.at/ 1020 Wien

LINK ZUR OTS-MELDUNG

Matthias Bernold übernimmt DRAHTESEL-Chefredaktion

Mit Jahresanfang habe ich die Chefredaktion des österreichischen Fahrrad-Magazins DRAHTESEL übernommen. Zusammen mit Art Direktorin Anna Hazod (vorher: Falter, Zeit) haben wir das Heft neu strukturiert und grafisch grundlegend überarbeitet. Der DRAHTESEL wird von der Fahrrad-Interessensvereinigung Argus herausgegeben. Unser Ziel ist es, die vierteljährlich erscheinende Publikation Schritt für Schritt in ein kommerzielles Produkt umzubauen, das alle Facetten des Radfahrens beleuchtet.

Hier ein Link zur Ausgabe DE 2/14:

Hier ein Link zur Ausgabe DE 1/14:

Hier ein Link zur neuen DRAHTESEL-Website:

http://www.drahtesel.or.at/DRAHTESEL – das österreichische Fahrrad-Magazin

 

 

 

Die Zeit: Heißer Kampf um ein Filetstück

Mein Artikel für die Österreich-Ausgabe der Zeit vom 7.3.2014

Auf dem 15 400 Quadratmeter großen Gelände zwischen Stadtpark und Konzerthaus soll ein millionenschweres Bauprojekt verwirklicht werden. Kritiker sehen den Ausverkauf der Stadt an finanzkräftige Investoren. Ist das Megaprojekt wirklich ein Bruch der Bautradition mit Vorbildwirkung für alle weiteren Städteplanungen?

Es ist ein Ort mit Tradition, an dem viele Erinnerungen hängen. Seit mehr als hundert Jahren erfüllten sich Wiener Kinder auf dem Gelände des Wiener Eislaufvereins ihre Winterträume. Noch bis Ende vergangener Woche zogen hier die Schlittschuhläufer ihre Kreise. Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt an der Lothringerstraße. Erst im Sommer wird wieder Leben einziehen, wenn Arbeiter Sand aufschütten und Gastro-Buden öffnen. Doch selbst der Beach-Club Sand in the City wird wenig an der trübseligen Stimmung des Platzes im dritten Wiener Gemeindebezirk ändern. Das angrenzende Hotel Intercontinental, in seinem Baujahr 1964 ein erster Fußabdruck Amerikas, mutet heute wie ein Plattenbau an, während die kleinen Nutzbauten des Eislaufvereins den schäbigen Charme der sechziger Jahre verströmen.

Die Tage der Tristesse könnten allerdings bald gezählt sein: Auf dem 15 400 Quadratmeter großen Gelände zwischen Stadtpark und Konzerthaus soll ein millionenschweres Bauprojekt verwirklicht werden, das allerdings höchst umstritten ist. Es drohe der Ausverkauf der Stadt an finanzkräftige Investoren, sagen Kritiker. Ist das Megaprojekt wirklich ein Bruch der Bautradition mit Vorbildwirkung für alle weiteren Städteplanungen?

Der Konflikt rührt an eine grundsätzliche Frage: Wessen Interessen sind es, die in der Großstadt Wien Vorrang genießen? Der Wunsch der Bevölkerung nach frei verfügbarem öffentlichen Raum gerät in Widerstreit mit den Bestrebungen eines Immobilienentwicklers, der vor allem WEV_siegerprojektwill, dass seine Investitionen einen möglichst hohen Gewinn abwerfen. Zugleich stehen auch die Grünen, die in der Wiener Stadtregierung das Planungsressort zu verantworten haben, auf dem Prüfstand.

Das Areal des Eislaufvereins ist das letzte große unverbaute Gelände im innerstädtischen Bereich – ein Filetstück, bei dem Bauhaien das Wasser im Mund zusammenläuft. Zugleich befindet sich hier allerdings auch eine besonders traditionsreiche Freizeiteinrichtung, die über einen Pachtvertrag verfügt, der noch einige Jahrzehnte läuft. Als das Grundstück vor sechs Jahren vom Stadterweiterungsfonds, die Bundesbehörde ist ein Relikt der Ringstraßen-Ära, privatisiert wurden, schrillten zahlreiche Alarmglocken. Ein langes Tauziehen folgte.

Vergangene Woche wurde nun von dem Bauherrn WertInvest und der Stadt Wien der Sieger des abschließenden Architekturwettbewerbs vorgestellt. Der Brasilianer Isay Weinfeld aus São Paulo soll für eine Investitionssumme von 220 bis 300 Millionen Euro von 2016 an nicht nur das Hotel Intercontinental verschönern und erweitern, sondern auch einen urbanen “Hotspot” schaffen: am besten so hip wie das Museumsquartier. Als Cash-Cow für die Investitionen sehen die Pläne einen 73 Meter hohen Turm vor, mit Apartments für betuchte Anleger.

“Wien entwickelt sich, und dem muss die Stadt mit neuen Angeboten Rechnung tragen”, erklärte Thomas Madreiter, Planungsdirektor der Stadt. “Hier wird aus einem abgeschlossenen Gelände ein großzügiger Platz, der allen offensteht.” Weinfelds Entwurf sei ausgewählt worden, weil er das Potenzial des Standortes und der Architektur anerkenne, modifiziere und erweitere: Der Freiluft-Eislaufplatz bleibe bestehen, ebenso wie das schon reichlich angejahrte Hotelgebäude. Während das Eislaufgelände zur Lothringerstraße hin frei werde und einen offenen Platz bilde, soll das Areal an der Heumarkt-Seite mit einem viergeschossigen Bauwerk begrenzt werden. Der Eislaufverein soll eine ganzjährig nutzbare Trainingshalle erhalten und das Akademische Gymnasium einen Turnsaal. Außerdem – so verspricht der Investor – werde es ein öffentliches Hallenbad mit 50-Meter-Sportbecken geben.

Laut Rechnungshof ist das Grundstück zu billig verkauft worden

Was in den Beschreibungen des Entwicklerteams so appetitlich klingt, verdirbt anderen den Magen. Das Projekt, so formuliert es der Wiener Architekt und Architekturforscher Otto Kapfinger, sei “architektonisch und in der Proportion äußerst schwach, nichtssagend, funktional und ökonomisch extrem fragwürdig”, ein Bruch mit der Bautradition am Glacis, jener Freifläche, auf der nach dem Abbruch der alten Stadtbefestigung die erste Stadterweiterung von Wien stattfand. Dem Projekt komme vor allem deshalb so große Bedeutung zu, weil es sich um einen Probelauf für künftige Hochhaus-Widmungen in Zentrumslage handle. Schließlich kritisiert Kapfinger einen Ausverkauf öffentlicher Flächen an private Investoren, die von den Umwidmungen massiv profitieren würden. Andreas Vass von der Österreichischen Gesellschaft für Architektur stellt sogar die völlige Aufgabe städtebaulicher Steuerungskompetenz fest: “Die Stadt lässt sich von reichen Investoren vor sich hertreiben.”

Seit der in der Kompetenz des Innenministeriums stehende Wiener Stadterweiterungsfonds das Grundstück im Jahr 2008 verkaufte – zu einem nach Meinung des Rechnungshofes übrigens viel zu niedrigen Preis – , kursierten Befürchtungen, dass sich Immobilienentwickler dieses Filetstück in bester Innenstadtlage unter den Nagel reißen und es verbauen könnten.

Im Mai 2012 ging das Grundstück an den Risikokapitalgeber WertInvest, dem auch das Hotel Intercontinental gehört. Das anschließend durchgeführte partizipative Verfahren mit Anrainern, Experten und Vertretern der Stadt stellte ein Novum in der Geschichte des Wiener Städtebaus dar. Dennoch: Es formierte sich Widerstand.

Der Wiener Eislaufverein bleibt vorerst gelassen. Andere hingegen sorgen sich um die Zukunft der Stadt. Im Juli 2013 ging ein offener Brief an Vizebürgermeisterin und Planungsstadträtin Maria Vassilakou von den Grünen, in dem prominente Vertreter der Architektenkammer und diverser Architektenvereinigungen die Neubauten und Umbauten als zu hoch und zu dominant kritisierten und darauf hinwiesen, dass die Hochhauspläne den Auflagen des Unesco-Weltkulturerbes für die Wiener Innenstadt widersprechen würden.

Galt doch am sogenannten Glacis der Grundsatz, dass Private nicht höher bauen dürfen als die öffentliche Hand. “Das System gerät aus dem Gleichgewicht, wenn man willkürlich Hochhäuser baut”, meint Vass. “Mit der Errichtung des Turmes wird ein Präzedenzfall für den Bau weiterer Hochhäuser im historischen Zentrum geschaffen.” Der jetzt preisgekrönte 73 Meter hohe Turm ist noch die harmloseste Variante dessen, was die Fantasie der Planer möglich macht. Eine Ausstellung über die eingegangenen Entwürfe, die derzeit im Souterrain des Hotel Intercontinental zu besichtigen ist, zeigt kühne Zwillingstürme, fantastische Bauwerke, die Eis-Stanitzeln ähneln, und einen Eislaufplatz, der ein paar Stockwerke in die Tiefe verlegt wird.

Was Kritiker des Projektes als Kniefall vor privaten Profitinteressen sehen, wertet man innerhalb der Stadtverwaltung als gelungenes Beispiel für Public-Private-Partnership. Der Magistrat widmet Grundstücke in Bauland um oder gestattet Gebäude mit mehr Nutzfläche. Als Gegenleistung für diesen Widmungsgewinn sollen Immobilieneigentümer und Projektentwickler an stadtplanerische Vorgaben gebunden werden.

In Zukunft könnten in Wien nicht mehr die Stadtplaner den Ton angeben

Auch Kritiker Vass will nicht bestreiten, dass die genannten städtebaulichen Überlegungen und die Zuckerln für die Anrainer gewisse Meriten haben. Ob der Eislaufverein, das Konzerthaus und das Akademische Gymnasium dieser Investition so dringend bedürften und ob die Errichtung eines Gebäudes mit einer derart massiven Baumasse diese Maßnahmen rechtfertigt, sei allerdings zu bezweifeln.

Dass in Wien häufig die Geldgeber und nicht die Stadtplaner den Ton angeben, ist der traurige Befund des Raumplaners und Autors Andreas Seiß, der sich in seinem Buch
Wer baut Wien
mit den Besonderheiten des Städtebaus in der österreichischen Bundeshauptstadt befasste. Anders als in anderen Städten – analysiert Seiß – fehle es in Wien an einem durchgängigen dreidimensionalen Konzept. “Die Investoren bestimmen, was geschieht”, sagt er. “Die öffentliche Hand nutzt ihre Macht nicht, um sinnvolle Stadtstrukturen zu schaffen.”

Wenn Daniela Enzi mit den Ängsten und Sorgen der Kritiker konfrontiert wird, reagiert sie immer gleich: Sie beschwichtigt. Das ist der Job der ehemaligen Prokuristin des Wiener Museumsquartiers, die im Sommer 2012 bei WertInvest als Projektbetreuerin angeheuert hat. Für WertInvest-Boss Michael Tojner, der in den 1990er Jahren mit seiner Firma Global Equity Partners viel Geld mit Unternehmensbeteiligungen und deren rechtzeitigem Verkauf verdiente, sei der Heumarkt kein Spekulationsobjekt. Vielmehr wolle Tojner an dem Standort “etwas richtig Schönes für die Stadt schaffen. Um die maximale Rendite geht es uns nicht.” So viel altruistische Selbstbeschränkung ist in der Immobilienbranche eher nicht üblich.

Noch steht freilich weder endgültig fest, wie viel Rendite das Projekt letztlich abwerfen wird, noch, ob es überhaupt je realisiert werden kann. Müssen doch zuerst die Flächenwidmungsphase und die Gespräche mit der Unesco abgeschlossen werden. Inzwischen formiert sich die Koalition der Hochhausgegner, die in Wien verlässlich noch jedem Großprojekt erbitterten Widerstand entgegengestellt hat. Vermutlich kommt es zu einer Neuauflage der urbanen Schlacht um den Bahnhofs- und Bürokomplex Wien Mitte, der nach empörten Protesten redimensioniert und umgeplant werden musste.

Gerade in die Widmungen sollten die Gegner des Projektes allerdings nicht allzu viele Hoffnungen setzen. Andere Beispiele verwirklichter Projekte wie der Millennium-Tower oder die Danube Flats des Bauunternehmers Erwin Soravia zeigen, wie einfach es in Wien zumindest in weiter vom Zentrum entfernten Gebieten ist, über den ursprünglichen Widmungsrahmen hinaus zu bauen. Gut möglich, dass sich Vass und die anderen Kritiker eines Tages wünschen, dass der Turm lediglich so errichtet worden wäre, wie er jetzt in den Plänen steht.

Reportage in der Wiener Zeitung: Räder mit Seele

In dieser Wohnküche wird primär weder gewohnt, noch gekocht. Sondern geschraubt. Ein Fahrrad-Rahmen in Weiß hängt in einer Monatagehalterung in der Mitte des Zimmers, daneben liegen Kästen mit Werkzeug und Komponenten. Ein Dutzend halb fertige Räder lehnen in der Ecke. Rahmen, Bremsen, Naben, Felgen, Ketten, ja sogar die Speichen leuchten in den wildesten Farben. Eine psychedelische Farbenkammer mitten in der Leopoldstadt.

“Was in Wien als Citybike verkauft wird, ist meistens unauffällig und grau”, sagt Marcin Dopieralski, “dabei ist Radfahren etwas, das extrem viel Freude bereitet. Ich finde, das Rad soll diese Freude verkörpern “.

Seit fünfzehn Jahren montiert der Absolvent der Bildhauerei-Klasse an der Universität für Angewandte Kunst in Wien in seiner Wohnung Fahrräder. Sogar aus Holz-, Harz und Bambusteilen hat der 33-Jährige schon Gefährte konstruiert. Bisher bloß aus Zeitvertreib. Jetzt formen restaurierte Stahl-Rahmen, moderne Komponenten und ein künstlerisches Farbkonzept eine Geschäftsidee.

Marcin in seiner Wohnküchenwerkstatt in Wien 2. Foto: Bernold

Marcin in seiner Wohnküchenwerkstatt in Wien 2. Foto: Bernold

Die Inspiration dafür kam zu Marcin letzten Winter in Gestalt seiner Bekannten Verena. Die vermochte nämlich kein Rad zu finden, das ihr gefiel, und sie wusste um Marcels Leidenschaft für stählerne Rösser. “Klassisch sollte es sein, und elegant und ,mädchenhaft’ in rosa und weiß gehalten und schnell”, erinnert sich Marcin: “Ich habe zu ihr gesagt: Du kannst so ein Fahrrad nirgends kaufen. Aber vielleicht kann ich dir eines bauen”.

Marcin trieb einen alten Mixte-Rahmen auf, reinigte und lackierte ihn, tauschte, was zu tauschen war und irgendwann stand es da, das alte neue Rad. Verena war glücklich. Marcin war stolz. Und auf der Straße erkundigten sich andauernd Leute, woher Verena schicker Flitzer stamme.

Schicke Farben in Marcins Wohnküchenwerkstatt Foto: Bernold

Schicke Farben in Marcins Wohnküchenwerkstatt Foto: Bernold

Das Interesse bestärkte Marcin. Er löst einen Gewerbeschein und begann sich nach geeigneten Teilen umzusehen. Wie für Verenas Prototypen verwendet er auch für die späteren Modelle klassische alte Rahmen aus Stahl, die nicht nur – wie er sagt –”wahnsinnig viel aushalten”, sondern auch “eine Seele haben”. Über das Internet kauft er die Rahmen in Deutschland, Österreich und Osteuropa ein, kontrolliert sie auf Dellen oder Risse und klärt die Rahmennummern mit der Polizei ab, um nicht an Hehlerware zu geraten. An der Technischen Universität in Krakau lässt er die Rahmen mit Sandstrahl reinigen und den Altlack entfernen. Dank Pulverbeschichtung erstrahlen die Teile bald in neuer Farbenpracht.

Modell Agresia. Foto: http://biq-shop.com/

Modell Agresia. Foto: http://biq-shop.com/

Zurück in Wien versieht Marcin die Rahmen mit Sattelstützen, Felgen und allen sonstigen Komponenten. Farblich abgestimmt und zur Bauart der Rahmen passend. “Alte Gabeln aus den 1970er- und 1980er-Jahren erlauben nicht jede beliebige Art Bremsen und Schaltsätze”, erklärt er. Jedes Fahrrad ist ein Einzelstück und kostet ab 900 Euro aufwärts. “Die Farben können sich meine Kunden aussuchen”, sagt Marcin, “im Endeffekt ist alles möglich”.

Rund 20.000 Euro hat Marcin bisher in seinen Fuhrpark investiert. Derzeit sind im Grazer Mobilitätszentrum zwei Modelle – Agresia und Vagant – ausgestellt. Die komplette Kollektion kann man sich auf Marcins Web-Seite anschauen.

Modell Vagant. Foto: http://biq-shop.com/

Modell Vagant. Foto: http://biq-shop.com/

Im Frühling, hofft Marcin, könnten seine “Räder mit Seele” bereits das Stadtbild bereichern. Für ihn selbst hat sich sein Engagement schon jetzt ausgezahlt. Und zwar in einem ganz anderen Lebensbereich. Seine erste Kundin Verena gewann nämlich nicht nur das rosaweiße Fahrrad lieb, sondern auch den Monteur: Seit Sommer vergangenen Jahres sind Marcin und Verena ein Paar…

Link zu Freitritt, dem Radblog der Wiener Zeitung

Reportage in der Wienerin: Lektionen aus der Apokalypse

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eine Reportage in der Dezember-Ausgabe der Wienerin
Kein heißes Wasser, kein Strom, keine Heizung, dafür verzweifelte Menschen, die sich stundenlang für Benzin anstellten – so apokalyptisch ging es nach dem Wirbelsturm Sandy in New York City zu. Und die nächste (Natur-)Katastrophe kommt bestimmt, wenn auch voraussichtlich nicht am 21. Dezember. Höchste Zeit also für WIENERIN-Autor Matthias Bernold, von Endzeit-Predigern und Survival-Experten zu lernen.

Er trägt Springerstiefel, Militär-Parka und Khakihosen mit Camouflagedruck, dazu blonde Surfer-Locken, die ihm lustig in die Stirn hängen. Den Wanderstock aus Buche hat er in eine Ecke gelehnt. Hund Bruno, eine Dobermann-Schäferhund-Mischung, sieht ihm zu, wie er sein Seil mittels Mastwurf am Gaszähler im Vorzimmer befestigt. Das andere Ende knüpft er an seinen behelfsmäßigen Klettergurt: “So. Jetzt können wir uns aus deinem Fenster in den Hof hinunterlassen!“

Martin Mollay ist Survival-Trainer. Aus seiner Liebe zur Natur, zum Kampfsport und zu Aktivitäten wie Wandern, Klettern und Rafting hat sich der ehemalige Elektrotechniker und Bundesheer-Ausbildner ein eigenes Berufsbild erschaffen. Jetzt bringt der 37-Jährige anderen Menschen – in diesem Falle mir – bei, wie sie ohne die Hilfsmittel der bürgerlichen Welt überleben können. Oder eben, wie sie aus dem dritten Stock flüchten könnten, wenn die Endzeit das Stiegenhaus unpassierbar gemacht hat. (Link zu Martin Mollays Website)

Zivilisation am Ende. Wie schnell das zivilisatorische Fundament einer Gesellschaft wegbrechen kann, zeigte sich zuletzt in New York, wo die Bürger nach dem Wirbelsturm Sandy tagelang ohne Heizung, Strom und Benzin auskommen mussten – aber kaum konnten. Für Menschen wie Martin Mollay sind derlei Ereignisse die Bestätigung, dass die Welt, wie wir sie kennen, nicht mehr lange stehen wird: “Es gibt zwei Szenarien: eines des revolutionären Umbruchs und eines des sanften Wandels“, sagt er. “Entweder alles kollabiert mit einem Schlag – gefolgt von Chaos und einer Neu-Formierung der Gesellschaft, die friedlich oder gewaltdominiert sein kann. Oder aber es wird ein schleichender Umbruch. Die Menschen erkennen, dass sie die Gesellschaft ändern müssen, um sie zu erhalten.“

Lust am Untergang. Mit seinen Ideen steht Martin nicht allein da. Die Gruselindustrie, die vor dem “bewussten“ 21. Dezember sicher noch ein paar skurrile Blüten treibt, zeigt das deutlich. Apokalyptische Visionen begleiten den Menschen, seit er sich Glaubenssysteme schuf, um die Rätsel des Lebens zu verstehen. Religiösen Geboten Nachdruck zu verleihen, mag ein Grund für die Menetekel gewesen sein. Dazu die Bedrohungen, vor denen weder der urzeitliche noch moderne Mensch gefeit ist: Kometen auf Kollisionskurs, Vulkanausbrüche, Fluten, später dann: Weltkriege, altersschwache Atom-Meiler und schmelzende Polarkappen.

Es gibt, weiß die Literaturwissenschafterin Judith Schossböck, die sich dem Thema in ihrem Buch Letzte Menschen näherte (s. Interview), eine ungebrochene Lust am Untergang. Wer auf amazon.com etwa “End of the World“ eingibt, erhält 342.115 Treffer (Stand: 15. November 2012), darunter Ratgeber, Romane, sogar Survival-Kits mit Trockennahrung, Chlortabletten und Kompass.

Bei vielen steckt hinter der Beschäftigung mit dem Untergang die Sehnsucht, auszubrechen – aus einer immer komplexer, immer technisierter und künstlicher werdenden Welt. Diese Sehnsucht schlägt sich in Urban Gardening, Gemüsekistl-Abos, Lastenfahrrädern und Wald-Kindergärten nieder. Und es gibt sie wahrscheinlich bereits ebenso lange wie den technischen Fortschritt. So formulierte Henry David Thoreau in seinem Werk Walden bereits im Jahr 1854: “Luxus und Komfort sind nicht nur überflüssig, sondern der menschlichen Entwicklung sogar hinderlich.“ Anzustreben sei, so formulierte es der US-Schriftsteller, der sich zum Schreiben des Buches zwei Jahre lang in eine primitive Holzhütte an einem Teich im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts zurückgezogen hatte, ein “Leben in Einfachheit und Unabhängigkeit, gekennzeichnet von Großmut und Vertrauen“.

Technik schützt nicht. Einfach leben: Genau das fasziniert auch Martin Mollay. Schon als Kind fühlte sich der gebürtige Wiener Neustädter am wohlsten im Wald. Nach der HTL verschlug es den sportlichen jungen Mann zum Jagdkommando, der Eliteeinheit des österreichischen Bundesheeres. Knapp fünf Jahre lang blieb er dort, stieg auf, wurde selbst Ausbilder.

“Eines Tages ist mir bewusst geworden:, He, ich bilde Elitesoldaten aus, die aufs Töten konditioniert sind.‘“ Und das Töten ist Martins Sache nicht. Zwar habe er kein Problem damit, sich zu verteidigen. Doch für den überzeugten Vegetarier hängt das Überleben weniger an Gewaltbereitschaft, Körperkraft und Guerilla-Taktik als am Wissen um alte Kulturtechnik und das Knüpfen von sozialen Netzwerken. “In uns schlummert das Wissen vergangener Generationen“, sagt er. “Aber es geht mehr und mehr verloren.“

Diesen Befund teilt Martin mit Wissenschaftern. Der kanadische Fortschrittskritiker Pat Roy Mooney etwa vertrat heuer in seinem Vortrag im Europäischen Forum Alpbach die These, dass wir die erste Generation seien, die mehr Technologien verliere als gewinne. Zwar werde der Konsument dauernd mit neuen Techno-Gadgets und immer mehr Megapixeln für die Handykamera gelockt. Wirkliche Innovationen, meint der Träger des Alternativen Nobelpreises, seien allerdings rar. Und während sich die Agrarindustrie Patente auf Saatgut sichert, geraten traditionelle Getreidesorten und Ackerbaumethoden in Vergessenheit.

Gedeckter Tisch. Ebenso vom Vergessen bedroht sind Grundtechniken des Kletterns, des Feuermachens, der Heilkunst und des Bauens von Unterständen. Allerdings reagieren die meisten Menschen begeistert, bekommen sie erst eine Chance, die alten Tricks zu erlernen, erzählt der “Survivalist“. “Bei meinen Outdoortrainings legt sich bei den Teilnehmern nach drei Tagen ein Schalter um“, sagt Martin. “Obwohl sie nie im Freien übernachtet haben, wird ihnen die Natur in kürzester Zeit zum Alltag. Viele sagen, sie könnten ewig so weitermachen.“

Zu den für die meisten Menschen erstaunlichsten Erfahrungen gehöre es herauszufinden, dass es gar nicht so schwierig sei, in der Wildnis genügend Nahrung zu finden. “Auch im Herbst findet man im Wald noch so viel zu essen, dass man nicht hungern muss“, sagt Martin: “Ein kundiger Sammler braucht eine Woche, um so viel zu horten, dass er durch den Winter kommt.“ Durch seine Augen betrachtet ist der Wiener Augarten ein gedeckter Tisch und die Donauinsel ein Delikatessengeschäft. Da wird gerupft, gezupft, ausgegraben: Weidenrinde als Aspirin-Ersatz, vitaminreiche Brennnesselsamen, Birkenbast, der zu Spaghetti, Kastanien, die zu Mehl verarbeitet werden können (die Rezepte finden Sie auf http://www.wienerin.at).

Mit Nahrung allein ist es freilich nicht getan. Sie steht bei Mollay sogar ziemlich weit unten auf der Liste. Einer der Grundsätze im Überlebenstraining ist die sogenannte Dreier-Regel: Der Mensch stirbt nach drei Minuten ohne Luft, nach drei Stunden ohne Wärme, nach drei Tagen ohne Wasser und nach drei Wochen ohne Nahrung. “Nach der Regel strukturieren wir unser Vorgehen im Ernstfall“, sagt Martin. Noch wichtiger ist aber die Vorsorge für eben jenen: Denn “wer nicht vorsorgt, muss dann viel Zeit aufwenden, um das Überleben zu sichern“ – und sich etwa nach einer Katastrophe im Supermarkt um die Waren prügeln.

Sicherheitsnetz. Wie und womit sorgt man also vor? Wasser, Chlortabletten zu dessen Reinigung, Waffen, eine Gasmaske, vielleicht ein Funkgerät – all das sei wichtig, um die ersten Tage nach einem Krisenfall zu überstehen, sagt Mollay. Und Vorräte in Form von Hülsenfrüchten, Reis, Weizensamen oder Gerste. Noch wichtiger jedoch ist: “Das eigene Netzwerk.“ Freunde, die über unterschiedliche Ressourcen, handwerkliche Kenntnisse und Know-how verfügen, seien schon im täglichen Leben praktisch. In der Krise entscheide dies aber über Leben und Tod: “Nur in der Gruppe kannst du bestehen“, sagt der Survival-Trainer. “Wenn du aus der Stadt flüchtest, aber niemanden kennst, der dir hilft, wirst du bald im Wald erfrieren.“

Ruhe bewahren. Dennoch: “Survival ist kein Kampf, sondern ein Geschenk“, ist Martin Mollay überzeugt. “Draußen in der Wildnis kommt alles, wie es kommen soll. Wenn ich gerade kein Wasser habe, vertraue ich darauf, dass ich es finde. Es geht da um ein Vertrauen in die Schöpfung und zum Leben, darum, immer Ruhe zu bewahren.“ Klingt vielleicht ein wenig spirituell, aber jedenfalls nach einer Weltsicht, der man auch in den Osttiroler Bergen oder in einer Wiener Altbauwohnung anhängen kann.

Allerdings muss die Entwicklung zum Überlebens-Guru in kleinen Schritten erfolgen: Als sich Martin anschickt, am Seil in den Hof hinunterzuklettern, bremse ich ihn. Was sollen denn die Nachbarn denken, wenn sich plötzlich ein Mann in Tarnkleidung an ihrem Küchenfenster vorbeihantelt: dass vielleicht der Jüngste Tag angebrochen ist?