Endlich: Geschlechterkampf ist obsolet!

Unterwegs mit dem Mazda 3 MPS: Macht Spaß.
Unterwegs mit dem Mazda 3 MPS: Macht Spaß.
Was wir in Kindertagen lernen, brennt sich in unser Gedächtnis wie heißer Gummi auf harten Asphalt. Gut kann ich mich an Familienausflüge mit dem Auto erinnern. Ich saß hinten und sekkierte meine Schwester. Auf dem Beifahrersitz saß Mama mit der Straßenkarte, die sie hektisch wendete und drehte. Hinter dem Steuer saß mein Vater und schrie.

Damals begriff ich, dass es sich bei Autofahrten um intersexuelle Extremsituationen handelt. Ich lernte, dass sich Männer häufig verfahren und dass ihre Frauen daran Schuld tragen. Einmal, als Papa wieder besonders zornig war, wurde es Mama zu blöd: Sie schmiss die Straßenkarte aus dem Fenster. Ich blickte dem Papier durch die Heckscheibe nach, wie es über die Autobahn flatterte und schließlich hinter einer Schallschutzmauer verschwand.

Emanzipatorische Befreiungsschläge wie dieser sind heute glücklicherweise obsolet. Die Technologie hat den Geschlechterkampf in den Cockpits überflüssig gemacht. Nehmen wir den neuen Mazda 3 MPS. 2000 Kilometer quer durch Deutschland und Österreich – dank Navigationssystem schafft das heute jeder Trottel. Zur Not auch ohne Beifahrerin. Nur die Frauenstimme des Fahrtencomputers erinnert noch subtil daran, wie es früher einmal war. Weitere Kontrolleinrichtungen – Regensensoren, Scheinwerferautomatik, Seitenspiegel, die sich bei Gefahr selbsttätig einklappen, und Einparkhilfen – verhindern, dass man der Beifahrerin den in der Arbeitswoche aufgestauten Groll entgegenrotzt. Wut und geschlechtliche Spannung weichen daher Philemon-und-Baucis-hafter Harmonie. Hier gleitet ein Idealbild der Partnerschaftlichkeit durch die kurvenreiche Tauernregion.

Vorbei an schroffen Gebirgsformationen und kleinen Bergdörfern. Vorbei an Kühen und Haflingerfohlen und an einem dicken Dachs, der gerade noch heil die Straße quert. Was für ein Leben! Welcher Steuermann könnte da noch grantig sein? Noch dazu, wenn er von der Geliebten mit deftigen Bergkäsebroten gelabt wird. In Vorarlberg heißt das „Bräand“.

Die beschte Beifahrerin von allen.
Die beschte Beifahrerin von allen.

Was den Mazda für Menschen mit Spieltrieb interessant macht, ist natürlich der Motor. Die japanischen Ingenieure zauberten aus dem kleinen 2,3-Liter-Vierzylinder-Reihenaggregat 260 Pferdestärken. Das ist mächtig viel Dampf für ein frontgetriebenes Fahrzeug. Für Fahrwerk und Elektronik bedeutet es einen großen Aufwand, um den breit grinsenden Boliden auf Kurs zu halten. Der Mazda zeigt nicht nur direkten Konkurrenten wie Golf GTI, Honda Civic Type R und Audi A4 den Stinkefinger, sondern er düpiert auch jene, die sonst gewöhnt sind, anderen durch Aufblenden und Auffahren ihre finanzielle Überlegenheit zu bedeuten. Die Kraft kommt beim MPS übrigens aus einem Turbolader, der durch auffällige Nüstern in der Motorhaube Luft saugt, um sie dann verdichtet in die Brennräume zu pressen. Schon bei leichtem Tritt aufs gelochte Gaspedal drückt es dich in den Schalensitz, krallen sich deine schwitzigen Finger nacktschneckenhaft ins Lenkrad. Bei Geschwindigkeiten von weit jenseits der 200 km/h auf der Autobahn zwischen München und Lindau wird es still im Wagen. Kurz hört sogar mein Mädchen zu plaudern auf. Zeit, ein bisschen über den Tod nachzudenken.

Doch fort, ihr düsteren Gedanken! Das dichte Verkehrsaufkommen verhindert jeden weiteren Geschwindigkeitsexzess. Pastellige Gelassenheit füllt erneut den Innenraum. Erst am Rückweg von Vorarlberg über Osttirol und Kärnten habe ich endlich Gelegenheit, an Kindertage anzuknüpfen. Als wir uns unerwartet auf der Brennerautobahn finden, obwohl wir doch über den Felberpass nach Osttirol wollten, herrsche ich geistesgegenwärtig meine Begleiterin an: „Weißt du nicht, dass es ein Matrei am Brenner und ein Matrei in Osttirol gibt? Kannst du nicht besser darauf achten, was ich ins GPS eintippe?“

“Falter” Nr. 39/09 vom 23.09.2009 Seite: 34 Ressort: Mobilität

Mama sagt: Der Kofferraum ist zu klein

Wie zwei scheue Rehlein, die nach den Entbehrungen des Winters die Nähe des fütternden Försters suchen, laufen sie das Trottoir entlang. Machen irgendwann kehrt, um die Straßenseite zu wechseln. Zögerlich kommen sie näher. Glucksen, kichern, während ich lässig am Fahrzeug lehne und vorgebe, sie nicht bemerkt zu haben. Die Sonnenbrille und das Telefonat mit Kollegen Apfl, der mir von Armenien erzählt, helfen mir dabei. Als die Mädels ganz nah am Gefährt sind, fasst sich die eine Mut: “Schönes Auto. So ein schönes Blau.”

Sekunden später bin ich mitten drin in einem Gespräch über Testautos, Journalismus und das Publizistikstudium der beiden. Ich bin sehr stolz, während Kollege Apfl, den ich immer noch in der Leitung halte, keuchhustet vor Neid. Er wäre gern mitgekommen, aber für ihn ist Ausfahren heute tabu, weil er sich im Kaukasus einen exotischen Infekt zugezogen hat. Und wer zu krank ist, um in die Redaktion zu kommen – so die Regel -, der darf auch nicht raus auf die Straße zum Spielen.

Für Apfl ist das schade, weil der stahlblaue Mini Cooper mit dem milchschokoladebraunen Fetzendach, den mir Mini Wien (Standort Donaustadt) überlassen hat, macht mächtig Spaß. Das Auto pickt auf der Straße wie ein Kaugummi im Roulettekessel und hat dabei mit seinen 120 PS genug Kraft, um flott aus der Kurve zu beschleunigen.

Beschleunigen ist freilich so eine Sache in der Stadt. Bekanntlich soll die Freiheit des einen dort enden, wo die Freiheit des anderen beginnt. Und nirgendwo hat sich dieses Prinzip besser verwirklicht als in einem Automobil, das im Stau steckt. Da nützt auch der monströs dimensionierte Tacho nichts. Andere entscheiden jetzt, wie viele Meter es im Stop and Go auf dem Franz-Josefs-Kai weitergeht.

Radfahrer gleiten ungeniert an mir vorbei. Andererseits haben die keine Zeit, sich den vielen Schaltern und Knöpfen zu widmen, die in die Mittelkonsole gebaut sind: Fensterheber, Türverriegelung, Popoheizungsschalter und der Schieber, mit dem man die Farbtemperatur der Leuchten in der Fahrgastzelle ändern kann. Vermutlich als eine Art Hommage an britische Exzentrik befindet sich an der Stelle, wo normalerweise der Lautstärkeregler für das Radio angebracht ist, ein Drehknopf zum Verstellen des Senders.

Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die “Auto-Start-Stopp-Funktion”. Sie bewirkt, dass der Mini im Leerlauf automatisch den Motor abwürgt. Diese Technologie soll helfen, Benzin zu sparen. Wird die Kupplung getreten, rasselt der Starter und der Benzinmotor springt wieder an. Aber es dauert eine Schreckmillisekunde, bis der Wagen losfährt. Zeit, die notwendig wäre, den GTI an der Ampel abzuhängen. Der Apfl, wäre er zu diesem Zeitpunkt im Auto gesessen, hätte sich über derart gescheitertes Imponiergehabe blendend amüsiert.

Meine Mama hingegen hat für so ein Hatzerl ohnehin nichts übrig. Als ich sie besuche, um die Hemden abzuholen und ein Stück Kuchen zu essen, unterzieht sie den Mini gleich dem Praxistest.

Das Verdeck, das sich innerhalb von weniger als zehn Sekunden zurückschiebt, beeindruckt sie nicht wirklich. Die Alufelgen fallen ihr gar nicht erst auf. Vielmehr merkt sie kritisch an, dass der Kofferraum zu klein sei für die Kleidersäcke: “Na super, ich hab die ganze Arbeit und du stopfst die gebügelten Hemden da hinein, damit sie erst recht wieder zernudelt sind.”

So sind Mütter eben. Sie sehen nicht, dass der wirklich relevante Faktor ein anderer ist: die Autokinotauglichkeit nämlich. Und da schlägt sich der Mini ganz passabel. Die Freundin von der Arbeit abgeholt, Soulmusik rein, Wind ins Haar und ab über Blue Highways Richtung Groß-Enzersdorf. Noch ein Einkehrschwung bei McDrive, die Scheibe sorgfältig gereinigt und dann “X-Men” auf der großen Leinwand. Was könnte schöner sein!

Fazit:

Der Mini Cooper Cabrio ist ein sympathisches Auto, das Spaß macht. Im Alltagsbetrieb zeigt das Fahrzeug ein paar eigenwillige Schrullen. Wer dieses Auto erwirbt, muss außerdem fortan seine Hemden ungebügelt tragen oder selbst das Bügeln lernen.

“Falter” Nr. 20/09 vom 13.05.2009 / Mobilitätskolumne